Kerry war etikettiert als "elitärer und hölzerner Berufspolitiker"
Kerry wollte der zweite „JFK“ im Weißen Haus werden

Es sollte die Geschichte des zweiten "JFK" im Weißen Haus werden: John Forbes Kerry verfolgte seit mehr als 30 Jahren den Traum, in die Fußstapfen seines Idols John F. Kennedy zu treten. Was das persönliche Charisma angeht, konnte der Senator dem später ermordeten Präsidenten allerdings nie das Wasser reichen.

HB WASHINGTON. Kerry (60) schaffte es in seiner langen Karriere im öffentlichen Leben nicht, das Etikett des elitären und hölzernen Berufspolitikers abzustreifen. Er stammt aus einer der bekanntesten Ostküstenfamilien mit einem Stammbaum, der in die Gründungszeiten der neuen Kolonien zurückreicht. Egal, wie viele Biere er im Wahlkampf in Kneipen trank, wie oft er Arbeitslosen auf die Schulter klopfte - ein Mann des Volkes wurde der Jurist nicht. Die Kumpelhaftigkeit von Präsident George W. Bush liegt ihm fern, und mit dem natürlichen Charme eines Bill Clinton ist er nicht gesegnet. Der Senator läuft erst zur Hochform auf, wenn er sich eloquent zu Weltproblemen äußern kann.

Für Kerrys Freunde waren die Ambitionen des Musterschülers schon vor Jahrzehnten deutlich. "John sagte: Wenn ich mir meinen Traum erfüllen könnte, wäre das, Präsident zu werden", erzählte ein Freund aus Jugendtagen, William Stanberry, später. Auch seine Mutter Rosemary hatte schon lange Großes für ihren Sohn im Sinn. Als Kerry ihr im Herbst 2002 auf dem Sterbebett eröffnete, dass er sich um die Präsidentschaft bewerben würde, sagte sie, wie der Kandidat im Wahlkampf selbst erzählte: "Das wurde auch langsam Zeit."

Kerry war in Schul- und Studienjahren für zwei Leidenschaften bekannt: Sport und Debattieren. In beiden gewann er mehrere Preise, und schaffte es an der Eliteuniversität Yale als Rechtsaußen sogar in die Football-Auswahl. Diese Mischung aus Draufgängertum und Wagemut auf der einen und Nachdenklichkeit und intellektueller Auseinandersetzung auf der anderen Seite charakterisiert sein ganzes Leben. Kerry ist Jäger, liebt schnelle Motorräder und ist ein aggressiver Eishockeyspieler. Er spielt aber auch leidenschaftlich Gitarre, schreibt Gedichte und kann reihenweise Dichter zitieren.

Eine der einschneidendsten Entscheidungen in Kerrys Leben war der freiwillige Einsatz in Vietnam. Er diente auf einem Schnellboot im Mekong-Delta, und kehrte 1969 zwar hoch dekoriert, aber zutiefst entsetzt zurück. Fünf seiner Freunde waren gefallen. 1971 wurde er einer der prominentesten Sprecher der Antikriegsbewegung. Andere Vietnam-Veteranen verwahrten sich damals gegen Kerrys Behauptungen von Kriegsverbrechen in Vietnam. Im Wahlkampf organisierten sie sich und griffen den Senator mit vernichtenden Fernsehspots an.

Kerry war in Massachusetts zunächst Bezirksanwalt und Vizegouverneur und sitzt seit 1984 im Senat. Seine Ehe mit der Millionenerbin Julia Thorne wurde 1988 geschieden. 1995 heiratete er die steinreiche Ketschup-Erbin Teresa Heinz. type="person" value="? Heinz, Teresa" />

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