Keuchende Kameraden am Kap
Afrikas härtester Ultra-Marathon lockt wieder

An Südafrikas "Tag der Jugend" (Youth Day) werden am Montag beim "Comrades"-Ultramarathon viele Starter wieder ganz schön alt aussehen. Mit 89,6 km über hügeliges Terrain von Pietermaritzburg 800 Höhenmeter hinab an den Indischen Ozean zählt er zu den härtesten und berühmtesten Langstrecken-Rennen der Welt.

HB/dpa JOHANNESBURG. Armin Mueller-Stahl setzte ihm vor anderthalb Jahren ein Denkmal mit dem Film "The long run" (Der lange Lauf), die aus Polen stammende Deutsche Maria Bak krönte hier im Vorjahr mit ihrem dritten Sieg ihre sportliche Laufbahn. Auch diesmal ist sie Favoritin. Das Traditions- Rennen ist in Südafrika populär wie die Tour de France in Frankreich.

Auch für den Lehrer Winfried Spanaus ist das Finish Motivation und oberstes Ziel. "Der Lauf ist ein Mythos. Der Nervenkitzel bei einem so langen Rennen ist: Komme ich an? Die ersten 60 bis 70 km gehen ganz gut, aber dann wird es hart", sagt der erfahrene Läufer, der schon 15 Marathons gelaufen ist und den Ultramarathon 2002 als 300. von fast 12 000 Teilnehmern beendete. Der Comrades fasziniert den 41- Jährigen aus Moers, der an der Deutschen Schule Johannesburg unterrichtet. "Das Besondere am Comrades ist der Verlauf: Es geht rauf und runter. Das Rennen macht Spaß, weil die Landschaft toll ist, so dass man das Laufen fast vergisst. Die Aussicht ist der helle Wahnsinn", erzählt Spanaus, der Duathlon-Vizeweltmeister von 1990.

Ganz andere Vorstellungen eines gelungenen Rennens hat Cynthia Mkovane, im Vorjahr 60. unter 1600 Teilnehmerinnen. Die schwarze Ausdauer-Sportlerin aus Lusikisiki lief den Comrades 1995 erstmals und will diesmal ihre Bestzeit um zwei Stunden verbessern. "Eine Silbermedaille" gibt die 39-jährige Südafrikanerin als Ziel an. Die bekommen alle Läufer, die die Strecke in weniger als 7:30 Stunden bewältigen. Wer nach fünfeinhalb Stunden nicht die Hälfte der Strecke absolviert hat, muss aussteigen. Auch Mkovane schwärmt von Strecke und Fans. Für den Höhepunkt des Jahres läuft die in Johannesburg tätige Hausangestellte täglich 15 km. Sie hat 2003 bereits einen Marathon und drei Ultras absolviert: "Ich bin gut vorbereitet."

Spanaus dagegen interessiert mehr als nur die Zeit. Er bewundert die Kameradschaft, eines der ursprünglichen Ziele dieses Laufes. "Da das Tempo nicht so hoch ist, kann man sich gut unterhalten. Man läuft nicht gegen-, sondern miteinander." Bei dem 1921 von Veteranen des Ersten Weltkriegs zum Gedenken an gefallene Kameraden (Comrades) gestarteten Rennen sind traditionell die Osteuropäer favorisiert. Zunächst in morgendlicher Kühle über steile Hügel führt es dann bei bis zu 25 Grad Celsius entlang an Zuckerrohrfeldern und Wäldern. Der mit einer Million Rand (rund 100 000 Euro) dotierte Marathon stand bis 1975 nur Weißen offen, ist aber längst kosmopolitisch. Als erster Deutscher siegte 1993 Karl-Heinz Doll (Freiburg) in 5:39:40 Stunden. Erster schwarzer Comrades-Gewinner war 1989 Samuel Tshabalala.

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