KfW-Chef Reich schlägt Kreditfabrik vor
Neue Hoffnung für den Mittelstand

Die staatliche Förderbank KfW schlägt eine neuartige Fabrik für die Abwicklung von Krediten vor. Sie soll allen Banken und Sparkassen offen stehen und die Kosten in dem schwierigen Geschäft senken.

HB FRANKFURT/M. Die Klage kleiner Unternehmen, die Banken würden die Mittelstandsfinanzierung zurückfahren und verteuern, ist in aller Munde - nicht nur im Wahlkampf. Auch die Klage der Banken, die Risiken bei Firmenkrediten seien zu hoch und die Erträge zu niedrig, lassen sich nicht vom Tisch wischen. Ob in diesem Spannungsfeld die von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) angeregte staatliche Mittelstandsbank die richtige Lösung ist, bezweifeln die meisten Experten. Wie also kann das Dilemma gelöst werden?

Die heute startende Handelsblatt-Serie "Innovative Finanzquellen für den Mittelstand" gibt in den nächsten Wochen ermunternde Antworten. Ein besonders attraktives Modell glaubt die Frankfurter Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), die Förderbank des Bundes in Frankfurt, gefunden zu haben. Das Projekt soll beiden Seiten gerecht werden - Kreditgebern und-nehmern. KfW-Vorstandschef Hans W. Reich hat in einem Gespräch mit dem Handelsblatt ein Vier-Punkte-Programm vorgestellt. Es soll helfen, die Mittelstandsfinanzierung für Banken und Sparkassen wieder interessant zu machen. Dabei setzt die KfW auch auf ihre Verbriefungsprogramme und Globaldarlehen sowie die Stärkung der Eigenkapitalbasis im Mittelstand.

Bündelung der Kreditsachbearbeitung

Zentraler Baustein des KfW-Programms ist, die Kosten der Kreditbearbeitung zu senken. Entscheidend ist es nach Ansicht von Reich, durch die Bündelung der Kreditsachbearbeitung hohe Stückzahlen zu erreichen und zusätzlich durch die Standardisierung der Produkte die Kosten pro Kredit zu senken.

Eine Lösung hierfür wäre die "industrielle" Produktion von Krediten in einer Kreditfabrik. Das, sagt Reich, könnte ein Instrument sein, um das Kostenproblem von Banken und Sparkassen in den Griff zu bekommen und die Vergabe von Darlehen und Förderkrediten an kleine und mittlere Unternehmen wieder attraktiv zu machen. Die durchschnittliche Erlös- und Kostenstruktur einer typischen "Mittelstandsbank" sei gekennzeichnet durch hohe Personal- und Sachkosten, die vor allem in der Kreditbearbeitung anfielen. So seien die Kosten für die Kreditprozesse in kleineren Marktsegmenten sogar häufig höher, als die durch Risikoeintritt entstandenen Verluste.

Ein Beispiel: Im Marktsegment der kleinen Unternehmen liegen nach Schätzungen von Experten die Kosten für die Bearbeitung bei 1,3 % des Kreditvolumens. Das ist fast das Doppelte des durchschnittlichen jährlichen Aufwands für Kreditausfälle von 0,7 %. Um die Kreditkosten drastisch zu drücken, müssten die Produkte vereinfacht, die Prozesse standardisiert, optimiert und so weit wie möglich zentralisiert werden. Eine Proberechnung des Ostdeutschen Sparkassen- und Giro-Verbands (OSGV) für eine ostdeutsche Sparkasse zeigt nach Ansicht von Reich die Dimension: Würden diese vier Aufgaben innerhalb der Sparkasse gelöst, gäbe es ein Sparpotenzial in der Kreditsachbearbeitung von 38 %. Gehe man einen Schritt weiter und kalkuliere mit einer Kreditfabrik für die Mittelstandsfinanzierung, könnten zusätzlich 29 % eingespart werden, also insgesamt 67 %.

Und für eine Kreditfabrik gilt: Je mehr Banken sich an einer solchen Institution beteiligen, umso höher ist die Stückzahl und umso tiefer sinken die Kosten.

Die Mittelstandsförderung - besonders für kleine Unternehmen - ist neben der Wohnungsbaufinanzierung die wichtigste Säule des KfW-Geschäfts. Kürzlich hat die Politik nach dem KfW-Mittelstandsgeschäft gegriffen: Die SPD-Bundestagsfraktion hat angeregt, das gesamte Fördergeschäft für den Mittelstand unter dem Dach der KfW-Bankengruppe bei der Deutschen Ausgleichsbank (DtA) in Bonn zu bündeln. So soll die neue Gründer- und Mittelstandsbank des Bundes entstehen. Ob oder wann es dazu kommt, ist auch wegen des möglicherweise bevorstehenden Regierungswechsels fraglich.

Entwicklung neuer Instrumente

Wohl auch deswegen hat die KfW bereits viel Geld in die Entwicklung neuer Instrumente zur Mittelstandsfinanzierung gesteckt. Globaldarlehen etwa geben den Banken mehr Flexibilität als starre Förderprogramme. Über Verbriefungsplattformen können sie Mittelstandskredite gebündelt an den Kapitalmarkt bringen. Diese Elemente ihres Vier-Punkte-Programms hat die KfW schon auf den Weg gebracht.

"Jetzt müssen wir an der Senkung der Kosten arbeiten. Die Option einer industriellen Kreditproduktion wäre ein richtiger Weg", betonte Reich. Vorher seien aber noch verschiedene rechtliche und technische Probleme zu lösen.

Kritisch urteilt Jürgen Moormann, Professor für Bankbetriebslehre an der Hochschule für Bankwirtschaft, über die Idee der KfW-Kreditfabrik. Als staatliche Bank werde es die KfW schwer haben, von den privaten Finanzhäusern als Kreditabwickler akzeptiert zu werden. Die Privaten würden nicht gern Geschäfte an eine Staatsbank abgeben, sagt er. Das Argument der Neutralität überzeugt ihn keineswegs: Auch eine private Kreditfabrik könne es sich nicht leisten, die Daten ihrer Kunden zu missbrauchen, ohne sofort das Geschäft zu verlieren.

Spezielle Vorteile der KfW, etwa durch effizientere Prozesse oder einen besonders großen Kreditbestand, sieht Moormann nicht. Auch Klaus-Peter Müller, Vorstandssprecher der Commerzbank, sieht die Idee skeptisch: Eine Kreditfabrik lasse sich nur für sehr einfache, standardisierte Kredite konstruieren. Die Mehrzahl der Firmenkredite seien jedoch individuelle Produkte mit hohem Beratungsbedarf. Deswegen, sagt Müller, werde es eine Renaissance des Hausbankmodells geben.

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