Kfz-Titel schlagen Dax & Co.
Autoaktien liegen gut im Rennen

Trotz eines schwachen europäischen Marktes und einem US-Markt, der zuletzt vor allem mit Billigfinanzierungen und Preisnachlässen angekurbelt wurde, haben die Automobilhersteller mit guten Halbjahresergebnissen überrascht. Die Börse reagierte prompt mit Kursaufschlägen.

HB FRANKFURT/M. In konjunkturell schwachen Zeiten ist die Lust auf neue Autos eher gedämpft. Die Lust auf die Aktien der Automobilhersteller ist dagegen bereits wieder erwacht. Die Kurse der in der Vergangenheit sehr konjunktursensiblen Automobiltitel entwickeln sich seit Wochen deutlich besser als der Gesamtaktienmarkt. Überraschend gute Halbjahresergebnisse und moderat optimistische Zukunftsprognosen sorgen für Auftrieb.

Als letzter der großen europäischen Hersteller hat gestern BMW seine Zahlen veröffentlicht und neue Rekordwerte bis zum Ende des Jahres in Aussicht gestellt.
Gutes Beispiel für die aktuelle Stärke der Branche an der Börse ist VW: Die Wolfsburger haben in der vergangenen Woche zwar ihre Gewinnprognose für das laufende Jahr um rund ein Zehntel reduziert, beim Kurs der VW-Aktie zeigt der Trend seither dennoch nach oben. Denn die Gewinnwarnung fiel deutlich geringer aus als vom Markt erwartet. Ausschlaggebend für die gute Entwicklung war bei VW wie bei den meisten Konkurrenten, dass die Sparmaßnahmen greifen. "Die Kostensenkungsprogramme in der Branche wirken schneller als erwartet", bestätigt Rolf Woller, Autoexperte bei der Hypo-Vereinsbank. So konnten die Wolfsburger trotz eines Absatzrückgangs die Gewinne auf einem hohen Niveau halten.

Daneben deutet einiges darauf hin, so Lars Ziehn, Autoanalyst der Deutschen Bank, dass VW & Co. bessere Preise für ihre Neuwagen erzielt haben, als angenommen. Denn, so argumentiert er, eine Einbuße beim Nettopreis von 3 % frisst aufgrund der hohen Fixkosten rechnerisch 60 % des operativen Gewinnes auf. Ein Volumenrückgang in ähnlicher Größenordnung schlägt deutlich weniger zu Buche. Auf dem heiß umkämpften US-Markt scheinen sich die deutschen Hersteller relativ erfolgreich gegen den Preisverfall gestemmt zu haben.

Wer in Zeiten konjunktureller Schwäche stark ist, hat bei einer Wirtschaftsbelebung beste Startbedingungen, so das Kalkül vieler Experten. So empfiehlt die Hypovereinsbank bereits seit Jahresanfang, Aktien aus dem Automobilsektor überzugewichten und hält an diesem Urteil fest. Lehman Brothers beurteilt die Branche ebenso positiv wie das Bankhaus Sal. Oppenheim. Dessen Experte Michael Raab ist der Überzeugung, dass "die aktuellen Kurse die Erfolge der Hersteller bislang nicht reflektieren" und ist für die Zukunft optimistisch gestimmt.

Mit Daimler-Chrysler, BMW, VW und den beiden Franzosen PSA (Peugeot, Citroen) und Renault traut er gleich mehreren Kandidaten zu, sich auch künftig besser als der Markt zu entwickeln, wobei er den mittelfristigen Erfolg der Wolfsburger an die für 2003 angekündigte neue Golf-Generation knüpft. Von den Franzosen empfiehlt er PSA als sicheren Hafen. Renault sei wegen der geplanten Modellwechsel etwas für spekulativere Anleger.

VW steht ebenso wie Porsche und BMW auch auf der Empfehlungsliste von Lehman-Analyst Christopher Will. Er verweist auf anstehende Modellwechsel wie die BMW 5er-Serie sowie den Luxus-Geländewagen Cayenne bei Porsche. Die Zuffenhausener sind auch Favorit der Hypovereinsbank.

Zu stark selektivem Vorgehen rät die Deutsche Bank. Autoexperte Ziehn verweist darauf, dass zwei Sorgenkinder in Europa, die GM-Tochter Opel und die europäische Ford, nicht selbst börsennotiert sind und so die Branchenindizes nicht belasten. Prinzipiell zieht er Premiumhersteller wie Porsche und BMW den Massenanbietern vor. Auch Renault traut er wegen der Allianz mit Nissan einiges zu. Auf Skepsis stößt unisono Fiat.

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