Kfz-Versicherungen
Neue Einnahmequellen für Kfz-Hersteller

Mit der Liberalisierung des europäischen Automarktes werden vor allem in Deutschland die Autos billiger. Nach einer Studie könnten die Kfz-Hersteller dennoch finanziell profitieren - allerdings nicht im Kerngeschäft.

DÜSSELDORF. Exklusivlizenzen, Gebietsschutz und Werkstattzwang gehören am europäischen Automarkt bald der Vergangenheit an. Sehr zum Leidwesen der deutschen Hersteller. Denn für ein- und dasselbe Modell konnten diese in Deutschland vor Steuern nach Angaben von EU-Wettbewerbskommissar Mario Monti bislang bis zu 42 % mehr verlangen als in anderen EU-Staaten.

Nicht zuletzt deshalb versuchen Deutschlands Autohersteller schon seit einigen Jahren neue Geschäftsfelder zu erschließen. Das Engagement geht dabei weit über bloße Kundenbindungsinstrumente hinaus. Sie gründeten unter anderem eigene Banken, um am Finanzierungs- und Leasinggeschäft zu partizipieren. Mittlerweile kann zum Beispiel ein Volkswagen-Kunde seinen neuen Golf auch gleich bei den Wolfsburgern versichern.

Nach einer Studie der Unternehmensberatung Booz Allen Hamilton wird sich dieser Trend mit der beschlossenen Liberalisierung des EU-Automarktes noch weiter verstärken. "Die Hersteller werden auf das Wegbrechen des lukrativen Geschäftes mit Originalteilen, die zunehmende Konkurrenz unter den Werkstätten und auf die sinkenden die Margen im Servicesegment mit dem Ausbau des Verkaufs von Versicherungen reagieren", prognostizieren die Unternehmensberater. "Wir rechnen damit, dass Kfz-Hersteller in den nächsten vier bis fünf Jahren einen Marktanteil von 30 Prozent erreichen können", erklärt Christoph Lüer von Booz Allen Hamilton.

Unter den Gewinnern sieht Booz Allen Hamilton zudem die großen Versicherer mit Zugang zu den Kfz-Herstellern. Allianz, Gerling und Co. übernehmen für die Versicherungen der Kfz-Herstellern das Risiko. Mit dieser sogenannten Underwriter-Tätigkeit können sich die großen Versicherungen nach Ansicht der Unternehmensberater ein ordentliches Stück aus dem neu zu verteilenden "Kuchen" der Kfz-Versicherungen schneiden. Die Allianz nehme hier bereits eine Vorreiterrolle ein, heißt es in der Booz Allen Hamilton-Studie.

Gut positioniert sind nach Ansicht der Unternehmensberater außerdem die preiswerten Versicherer - soweit es ihnen gelingt, vom Wandel der Werkstattlandschaft in Deutschland zu profitieren und diese Preisvorteile in noch günstigere Prämien umzusetzen. Ihre Zielkunden, die so genannten "Preis-Sensiblen", stehen den Komplettangeboten der Autohersteller tendenziell skeptisch gegenüber. Sie werden dazu neigen, das Auto möglichst billig zu kaufen, in der freien Werkstätte günstig warten zu lassen und preiswert zu versichern. Prototyp für diese Gruppe der Kfz-Versicherungsunternehmen ist die HUK Coburg.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%