Kidnappper sollen eine Million Dollar pro Geisel gefordert haben
Philippinische Regierung bemüht sich vor Fischer-Besuch um Ende der Geiselnahme

Unmittelbar vor dem Besuch von Bundesaußenminister Joschka Fischer am Donnerstag in Manila hat die philippinische Regierung einen Vorstoß unternommen, das Geiseldrama auf Jolo zu beenden. Der Chef-Unterhändler der Regierung, Roberto Aventajado, sagte, er und der Anführer der Abu-Sayyaf-Rebellen Galib Andang hätten sich auf direkte Gespräche verständigt. Mehrere Gruppen der moslemischen Abu Sayyaf halten insgesamt 40 Geiseln in ihrer Gewalt, darunter vier Deutsche. Der Besuch des deutschen Außenministers Joschka Fischer soll ihrer Sicherheit dienen.

Reuters MANILA.Rebellenführer Andang sei an einer schnellen Lösung interessiert, sagte Aventajado. Die zahlreichen Vermittler, die bislang eingeschaltet gewesen seien, hätten Andang irritiert. Aventajado sagte, er und Andang würden künftig entweder direkt miteinander sprechen oder über einen Mittelsmann. Dieser würde am Donnerstag oder Freitag das Rebellenlager besuchen und Batterien für das Satellitentelefon mitnehmen. Wer der Vermittler ist, sagte Aventajado nicht.

Andang, der sich Kommandant Robot nennt, hat Aventajado zufolge bestätigt, dass seine Gruppe insgesamt 36 Geiseln verschleppt hat. Unter ihnen sind drei Angehörige der Göttinger Familie Wallert. Sie gehören zu den 21 Geiseln, die am 23. April von einer malaysischen Ferieninsel auf die philippinische Insel Jolo entführt wurden. Unter den Geiseln sind auch Franzosen und Finnen. Ein Malaysier wurde Ende Juni freigelassen. Inzwischen befinden sich in der Gewalt von Andangs Rebellen auch noch 13 philippinische Prediger sowie drei französische Journalisten. Der "Spiegel"-Reporter Andreas Lorenz und drei Philippiner wurden am 2. Juli von einer anderen Gruppe der Abu Sayyaf verschleppt.

Besuch soll "Sicherheit und Gesundheit der Geiseln gewährleisten"

Außenminister Fischer will sich mit seinen Kollegen Hubert Vedrine aus Frankreich und Erkki Tuomioja aus Finnland nach Angaben des Auswärtigen Amtes in Berlin für eine baldige friedliche Lösung der Geiselkrise einsetzen. An den Bemühungen will sich auch der außenpolitische Koordinator der Europäischen Union (EU), Javier Solana, beteiligen. In Manila wollen die Politiker mit Aventajado, dem philippinischen Außenminister Domingo Siazon und Präsidentenberater Ronaldo Zamora zusammentreffen. Vorgesehen ist auch ein Gespräch mit Präsident Joseph Estrada. Das Auswärtige Amt hat vor allzu großen Erwartungen an den Besuch der Politiker gewarnt. Es gehe vor allem auch darum, die Sicherheit und Gesundheit der Geiseln zu gewährleisten.

Der philippinischen Regierung zufolge haben die Rebellen eine Million $ für jede Geisel verlangt. Die Regierung hat die Zahlung von Lösegeld aber abgelehnt. Die Abu Sayyaf fordert einen eigenen Moslem-Staat in den überwiegend katholischen Philippinen.

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