Kiefer fliegt aus Daviscup-Team
Schüttler stürmt in dritte Wimbledon-Runde

Getrieben von seinem Erfolgshunger und den dunklen Wolken über Wimbledon, ist Tennis-Profi Rainer Schüttler in die dritte Runde der 117. All England Championships gestürmt.

HB/dpa LONDON. Der Australian-Open-Finalist besiegte am Mittwoch in London den Franzosen Fabrice Santoro nach einer 45-minütigen Regenunterbrechung vor dem letzten Spiel mit 6:2, 6:3, 6:3. "Das war nervig, ich hätte auch weiter gespielt", sagte der 27 Jahre alte Korbacher, der nun weiterkommen will als jemals zuvor an der Church Road. Am Freitag kämpft der Weltranglisten-Fünfte gegen Todd Martin (USA) um den Einzug ins Achtelfinale. "Der stand hier 1996 im Halbfinale. Das sagt alles", sagte Schüttler.

Sein Freund und Trainingsgefährte Lars Burgsmüller löste aus der Warteschleife heraus einen Freifahrtschein zum Center Court. Der Essener beendete das in der Dämmerung vertagte Match gegen den Spanier Albert Montanes als 6:3, 7:6 (7:5), 4:6, 6:2-Sieger und erreichte erstmals in seiner Karriere die zweite Runde von Wimbledon. Hier wartet auf den 27-Jährigen am Donnerstag der an Nummer zwei gesetzte Andre Agassi (USA). "Das ist ein Karriere-Höhepunkt, meine größte Herausforderung", betonte Burgsmüller. Schüttler, der im Endspiel der Australian Open gegen Agassi verloren hatte, gab Burgsmüller schon mal eine Fußball-Weisheit mit auf den Weg: "Flach spielen und hoch gewinnen."

Der sonst eher stille Burgsmüller war außer sich vor Freude: "Das ist geil, gegen den einmal spielen zu dürfen und dann wahrscheinlich noch auf dem Center Court." In einem Showmatch vor den French Open hat er den Graf-Ehemann schon einmal bezwungen. Gegen Montanes gewann Burgsmüller am Donnerstag alle fünf Spiele und machte so aus einem 1:2-Rückstand im vierten Satz noch vor dem Regen ein 6:2. "Das war alles nur Taktik. Ich wollte heute unter Wettkampfbedingungen trainieren", scherzte er entspannt.

Ein Donnerwetter braute sich am Mittwoch hingegen über Nicolas Kiefer zusammen. Obwohl sich der Holzmindener einen Tag nach seinem blamablen Erstrunden-Aus an der Seite von David Prinosil (Amberg) mit 7:6 (7:3), 6:1, 6:4 gegen Andrew Kratzmann/Jeff Tarango (Australien/USA) wenigstens im Doppel schadlos hielt, gab es schlechte Nachrichten für den 25-Jährigen. In den Planungen von Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen spielt der frühere Weltranglisten- Vierte keine Rolle mehr: "Jetzt muss endlich was passieren. In dieser Verfassung ist er für den Daviscup kein Thema mehr. Überhaupt nicht."

Mehr Freude hatte der Teamchef wieder einmal an Rainer Schüttler. Obwohl das Match nicht schlecht lief für den derzeit besten deutschen Tennis-Profi, haderte er mit sich und ließ seinen Frust am Schläger aus. "Ich muss mich ärgern und freuen. Ich bin doch kein Roboter", sagte Schüttler. Trainer Dirk Hordorff und Daviscup-Kapitän Patrik Kühnen mühten sich redlich, den Korbacher von seiner Wut-Wolke zu holen. "Komm' jetzt", spornte Hordorff ihn an. Und auch Kühnen mischte sich ein: "Mehr Dynamik, Rainer!"

Das half. Schüttler gab im gesamten Match nicht einmal sein Aufschlagspiel ab und glich seine bislang negative Matchbilanz gegen den in Tahiti geborenen und in Genf lebenden Franzosen Santoro zum 3:3 aus. Nach der Regenunterbrechung beim Stand von 5:3 im dritten Satz beendete Schüttler das Match nach 1:45 Stunden mit einem Vorhandschlag: "Heute hat alles gepasst, bis auf den Regen."

Ihr Schäfchen ins Trockene brachten am Abend die zweimalige Wimbledon-Siegerin Venus Williams (USA), die gegen Katarina Srebotnik aus Slowenien mit 6:4, 6:1 gewann und ihr Landsmann Andy Roddick. Der bereits als Thronfolger von Pete Sampras gehandelte 20-Jährige besiegte zum Bedauern der Fans auf dem vollbesetzten Center Court den Briten Greg Rusedski mit 7:6 (7:5), 7:6 (7:1), 7:5.

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