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Kiefer lässt Silber und Frust daheim

Der olympische Geist ist noch immer in Nicolas Kiefer. Je größer der Abstand zum unglücklich verlorenen Doppel-Finale von Athen wird, desto mehr entwickelt sich aus dem Frust über Silber Freude über die Medaille.

dpa NEW YORK. Der olympische Geist ist noch immer in Nicolas Kiefer. Je größer der Abstand zum unglücklich verlorenen Doppel-Finale von Athen wird, desto mehr entwickelt sich aus dem Frust über Silber Freude über die Medaille.

"Der ganze Zuspruch baut so auf. Wenn ich in der ersten Runde verloren hätte, hätte ich nie so ein Erlebnis gehabt. Das war vom anderen Stern", erzählte Kiefer nach seinem Erstrundensieg bei den US Open, die ihm trotz ihres herausgehobenen Grand-Slam-Status wie graue Normalität erscheinen: "Hier bin ich noch gar nicht richtig drin."

Zurück im luxuriösen Tennis-Alltag, in dem sich jeder Profi selbst der Nächste ist, wird dem 27-Jährigen noch bewusster als zuvor, wie sehr er den Mannschaftsgeist genossen hat. "Ich vermisse das Olympische Dorf. Es hat so viel Spaß gemacht, ich habe so viele Freunde gewonnen. Ich habe so viele Fotos gemacht und mitgenommen. Die schaue ich morgens nach dem Aufwachen und abends vor dem Einschlafen an", schwärmte der früher oft verschlossene Niedersachse in Flushing Meadows. Das Edelmetall hat er angesichts der strengen Einreisekontrollen daheim gelassen, es ziert sein Arbeitszimmer.

Mit der Niederlage nach vier vergebenen Matchbällen kann Kiefer inzwischen lockerer umgehen als direkt nach dem nächtlichen Drama mit Rainer Schüttler, wo die Tränen flossen. "Wir mussten erstmal lachen, als wir uns hier das erste Mal gesehen haben. Wir haben beide das selbe gedacht", berichtete Kiefer, der mit dem Hessen noch einmal das Achterbahn-Erlebnis von Athen besprach.

Beim Daviscup-Spiel Ende September in der Slowakei, wo die Rückkehr in die Weltgruppe perfekt gemacht werden soll, dürften beide wieder gemeinsam auf dem Platz stehen, auch wenn Teamchef Patrik Kühnen seinen Plan noch nicht verraten will. Kühnen hofft, dass der Olympia-Effekt noch mindestens bis zur Partie in Bratislava ausstrahlt: "Ich fand es klasse, dass ich zwei Wochen lang mit den Spielern im Appartement zusammen gewohnt habe. Das war gut für die Mannschafts-Situation."

Wegen des großen Kräfteverschleißes will Kiefer künftig aber allenfalls bei kleinen Turnieren auch noch Doppel spielen. Die vielen Turniere in Amerika, Olympia und der erneute Trip nach Übersee haben Spuren hinterlassen. Außer dem Daviscup, wo für Kiefer "verlieren nicht zur Diskussion steht", stehen nur noch die Masters-Turniere in Madrid und Paris sowie der Wettbewerb in Basel fest im Kalender. "Ich merke schon, dass ich müde bin und von dem zehre, was ich Anfang des Jahres aufgebaut habe", sagte Kiefer. Gemessen daran war der Start in die US Open umso gelungener.

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