Archiv
Kiefers Handverletzung sprengt Daviscup-Team

Nicolas Kiefer hätte heulen können und musste an Olympia denken. „Es ist so brutal: Erst in Athen der sportliche Gongschlag, nun hier in New York der körperliche“, sagte der 27-Jährige mit Schmerz verzerrtem Gesicht.

dpa HAMBURG. Nicolas Kiefer hätte heulen können und musste an Olympia denken. "Es ist so brutal: Erst in Athen der sportliche Gongschlag, nun hier in New York der körperliche", sagte der 27-Jährige mit Schmerz verzerrtem Gesicht.

Eine Handverletzung, die ihn zu einer mehrwöchigen Pause zwingt, machte die Hoffnungen von einem weiteren Höhenflug zunichte und sorgte für eine Hiobsbotschaft im deutschen Tennis-Lager. Beim Daviscup in Bratislava (24. bis 26. September) wird Kiefer fehlen, wenn nicht ein Wunder geschieht. Der Wiederaufstieg in die Weltgruppe gegen die starken Slowaken um Dominik Hrbaty, Karol Kucera und Karol Beck ist arg in Gefahr.

Alles Mögliche hatte Kiefer überlegt, wie er das Achtelfinal-Match bei den US Open gegen den Briten Tim Henman zu Ende bringen kann. Doch die immer dicker werdende Hand machte alle Planspiele zunichte; beim 0:3 im fünften Satz ging gar nichts mehr. "Beim letzten Volley ist es passiert. Ich konnte meine Hand nicht mehr richtig bewegen, der Ballen ist dick geworden, der Daumen tut höllisch weh."

Mit den Fotos einer eiligst durchgeführten Kernspin-Tomographie unterm Arm setzte sich Kiefer umgehend ins Flugzeug. "Dass es ein Sehnenanriss ist, hat man mir nicht mitgeteilt", sagte er und widersprach damit beim Tennisturnier in New York verbreiteten Meldungen. Noch am Abend wollte er sich in Berlin von den Ärzten der Fußball-Nationalmannschaft untersuchen lassen.

"Doch eins ist klar", erzählte er müde und niedergeschlagen nach der Landung in Frankfurt am Main, "die Gesundheit geht vor." Diesmal werde er die Verletzung restlos auskurieren und nicht wieder zu früh der Ungeduld nachgeben, wie unter anderem vor vier Jahren, als er einen Ermüdungsbruch im rechten Handgelenk erlitten hatte.

Wie lang die Pause wird, weiß Kiefer noch nicht. Aber Patrik Kühnen wird für Bratislava neu planen müssen. "Ach du meine Güte", stöhnte der Daviscup-Kapitän, als er die Hiobsbotschaft erfuhr. "Mein Gott; jetzt muss ich wieder grübeln. Dabei dachte ich, wir könnten mit der stärksten Mannschaft antreten und den Abstieg vom vorigen Jahr korrigieren." Das Team hatte sich quasi von alleine aufgestellt: Kiefer und Thomas Haas galten als feste Größen im Einzel; das olympische Erfolgs-Doppel Kiefer/Schüttler sowieso.

Rainer Schüttler ist durch Kiefers Pech wieder erste Wahl. Sollte man denken. Aber Kühnen ist sauer auf den Korbacher, der in Flushing Meadows seine 16. Erstrunden-Pleite der Saison kassiert hat. "Rainer ist nicht gesetzt. Ich respektiere, dass er vor dem Daviscup in Peking spielt. Das muss ich respektieren." Eine optimale Vorbereitung sehe aber anders aus. "Ich brauche Spieler, die topfit und ausgeruht sind." Noch ein Mal will er das Gespräch mit Schüttler suchen.

An der Turnierplanung des WM-Halbfinalisten des Vorjahrs wird das freilich nichts ändern. So wie er vor der den Abstieg bedeutenden Partie gegen Weißrussland vor einem Jahr in Sundern in Brasilien gespielt hatte, wird er jetzt aus China nach Bratislava reisen. "Daran wird sich nichts ändern. Wenn Rainer eine Zusage gegeben hat, erfüllt er sie auch", meinte Trainer Dirk Hordorff. Schüttler, der mit hohem Fieber, dickem Hals und Schüttelfrost heimgekehrt war, musste das Bett hüten.

"Jetzt haben wir eine extrem harte Nuss in der Slowakei zu knacken", sagte Kühnen noch immer geschockt. Schon vor Kiefers Ausfall hatte er die Chancen nur auf 50:50 taxiert. Wie schwer die Aufgabe wird, zeigen die US Open: Hrbaty steht im Viertelfinale, Beck spielte gegen den Australier Lleyton Hewitt um einen Platz unter den letzten Acht. "Wir müssen uns etwas einfallen lassen", sagte Kühnen. "Ich will zurück in die erste Liga." Kiefer will erst einmal nur zurück auf den Tennisplatz. Spätestens in sechs Wochen beim Masters-Turnier in Madrid soll es soweit sein.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%