Kieler Institut für Weltwirtschaft prognostiziert ein Abflachen der Konjunktur
Euroland weist kaum Spuren einer New Economy auf

jmü DÜSSELDORF. Nach Ansicht des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) lassen sich in der Eurozone noch keine klaren Anzeichen einer New Economy ausmachen. Das heißt, die Kombination von lang anhaltendem Wirtschaftswachstum auf hohem Niveau mit vergleichsweise niedrigen Inflationsraten, die seit den 90er Jahren die US-Ökonomie charakterisiert, ist für Euroland noch nicht in Sicht.

Im Gegenteil: In der am Freitag vorab veröffentlichten Studie prognostiziert das IfW ein Abflauen der Konjunktur in der Eurozone. Zwar zeichnet sich für das Gesamtjahr 2000 ein Anstieg des Bruttoinlandsproduktes (BIP) von 3,4 % ab - geringfügig höher als die letzte Schätzung - doch erwarten die Kieler Wissenschaftler, dass der konjunkturelle Höhepunkt im 2. Halbjahr überschritten wird. Im Jahre 2001 werde das BIP-Wachstum nur noch 2,9 % betragen.

Darauf deuten, so die Konjunkturforscher, eine Reihe von Indikatoren hin. "So hat die Geldpolitik ihren expansiven Kurs korrigiert, nachdem die Inflationsgefahren im Euroraum zugenommen hatten", schreibt Kiel. Damit seien die monetären Rahmenbedingungen ungünstiger geworden, was die Binnennachfrage dämpfen werde. Vor allem die gestiegenen Energiepreise tragen zur Inflationsrate bei. Allein die höhere Ölrechnung mache in diesem Jahr rund 1 % des BIP aus. Der daraus resultierende Verlust der Realeinkommen wirkt ebenfalls dämpfend auf die Konjunktur.

Euro-Kursrückgang unwahrscheinlich

Außerdem sollen die Impulse aus dem Ausland, die dem Aufschwung in der alten Welt seit einem Jahr an Schubkraft verleihen, Ende nächsten Jahres nachlassen. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass der stimulierende Impuls aus der Abwertung des Euro abklingen werde. Einen erneuten Kursrückgang der Einheitswährung hält die Studie für unwahrscheinlich.

Lob zollt das IfW der Haushaltspolitik im Euroraum: Im laufenden Jahr wird das zusammengefasste Budget in den Ländern des Währungsraums erstmals seit den 60er Jahren einen Überschuss ausweisen. Allerdings hegen die Wissenschaftler Zweifel an einem nachhaltigen Konsolidierungskurs. Denn bei näherem Hinsehen zeige sich, dass die Überschüsse oftmals auf einmaligen Einnahmen beruhen - insbesondere die Erlöse aus den UMTS-Versteigerung fielen ins Gewicht.

Insgesamt zeigt sich, dass der durch den Einsatz von Informationstechnologien ermöglichte Produktivitätssprung in den USA die Voraussetzung für das hohe US-Wachstum war. In Euroland hingegen ist eine trendmäßige Zunahme der Produktivitätsdynamik bislang nicht erkennbar, betont das IfW. Allerdings sei zu erwarten, dass sich langfristig die New Economy mehr und mehr auch in der Eurozone bemerkbar mache, vor allem weil die Nutzung des Internets rapide zunehmen werde. "Die technologisch bedingten Produktivitätsgewinne werden wohl auf mittlere Sicht nicht an die heranreichen, die in den USA realisiert wurden." Aus heutiger Sicht sei nicht damit zu rechnen, dass das reale BIP über längere Zeit um mehr als 2,5 % zunehmen kann.



Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%