Kieler Marktforscher sagt die Hitwahrscheinlichkeit von Songs voraus
Auf der Suche nach den Flops

Die Misere der Musikindustrie hat viele Namen. Victoria Beckham beispielsweise. Bei dem Versuch, ihre Karriere wieder in Gang zu bringen, ist das Ex-Spice-Girl kläglich gescheitert. Das Hiphop-Album, das sie kürzlich aufgenommen hat, wird nie auf den Markt kommen. Obwohl die Plattenfirma Telstar 1,7 Mill. Euro investiert hat, um die schönsten Töne aus "Posh Spice" herauszubekommen. In anderen Branchen ist so eine Fehlinvestition ein Skandal. In der Musikindustrie gehört sie zum Alltag. Herausgekommen ist der Flop lediglich, weil Telstar dabei Konkurs gegangen ist.

HB HAMBURG. Bernhard von Skerst hat viele solcher Beispiele parat - und würde sie gerne verhindern. Seit 15 Jahren beschäftigt sich der Psychologe mit der Musikindustrie und verfolgt seitdem eine Vision: Er will die Welt vor akustischem Schrott bewahren. Dazu hat der Chef des Kieler Marktforschungsinstituts Dr. Parge & Partner ein System entwickelt, das die Verkaufszahlen eines Songs voraussagen kann. Mit 90-prozentiger Wahrscheinlichkeit. Dazu spielt er der Zielgruppe unveröffentlichte Lieder vor, lässt sie Melodie, Stimme, Tonlagen und vieles mehr beurteilen. Heraus kommt eine Hitwahrscheinlichkeit - sogar mit einer Prognose zur Zahl der verkauften Platten.

Die Zahlen, die von Skerst vorlegt, taugen dazu, Controller ins Schwitzen zu bringen: Nur rund fünf Prozent aller 15 000 Tonträger, die jährlich auf den deutschen Markt kommen, werden zum Hit - gut 80 Prozent spielen das Geld nicht ein, das sie gekostet haben. "In den fetten Jahren konnte die Branche die Verluste kompensieren, aber diese Zeiten sind vorbei", sagt von Skerst.

Trotzdem steht die Branche dem Fanfinder von F-Airplay - so heißt die Firma, die von Skerst mit seinem Partner Olaf Parge extra gegründet hat - kritisch gegenüber: "Erfolg und Misserfolg von Songs unterliegen so vielen Einflussfaktoren", sagt Volker Hoffmann, Gründer der Agentur für Musikmarketing Make. "Marktforschung kann da alleine nichts ausrichten." Doch von Skerst sieht noch andere Gründe für den Widerstand der Plattenfirmen: Die Manager, die über neue Lieder und Künstler entscheiden, fühlten sich in ihrer Göttlichkeit bedroht, sagt der 46-Jährige. Bei ihnen handle es sich häufig um "verkrachte Musiker-Existenzen", die selbst gerne ein Star geworden wären. Sie ließen es sich nicht nehmen, auf ihr Bauchgefühl zu vertrauen "statt Marktforschung zu Hilfe zu nehmen". Ein Insider aus einer Plattenfirma sagt dazu, er halte das Marktforschungsinstrument nicht für brauchbar - er verlasse sich lieber auf seine langjährige Erfahrung.

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