Kik und Takko wachsen am schnellsten: Discounter-Welle überschwemmt die Modebranche

Kik und Takko wachsen am schnellsten
Discounter-Welle überschwemmt die Modebranche

Karge Ladeneinrichtung, unteres Preissegment, Randlage auf der "grünen Wiese" - das scheinbar trostlose Shopkonzept garantiert Modehändlern derzeit rasantes Wachstum.

DÜSSELDORF. Die haselnussbraune Lederimitat-Bluse für 29,90 Euro, dazu passend die Baumwoll- Stretchhose mit Gürtel für 24,90 Euro - nach dem Lebensmittelhandel erreicht die Discountwelle nun mit Macht den Modemarkt. Konsumflaute und "Geiz-Welle", so scheint es, locken inzwischen Kunden zu den Billigheimern, die noch vor kurzem einen weiten Bogen um Vögele-Märkte und Takko-Läden machten. Selbst TV-Moderatorin Birgit Schrowange, suggeriert die Werbung der ehemaligen Metro-Tochter Adler, bedient sich bei den preisgünstigen Bestsellern von der Stange.

Rund 200 neue Kik-Märkte will beispielsweise Tengelmann-Chef Karl-Erivan Haub nach eigenen Worten Jahr für Jahr eröffnen. 2 200 solcher Filialen hält er in seinem Konzern für denkbar - derzeit sind es 1 200. Kein Wunder: Mit einem Umsatzwachstum von fast 11 % gelten die billigen Textilläden zu den Hoffnungsträgern der Mülheimer.

"Im derzeit trüben Bekleidungshandel haben Discounter klar die Nase vorn", sagt Christoph Rohe, Chef der Düsseldorfer Unternehmensberatung Kurt Salmon Associates (KSA). Und daran wird sich nach Meinung von Experten so rasch nichts ändern. Seit Jahren sind Aldi und Tchibo dafür verantwortlich, dass Deutschlands Verbraucher im europäischen Vergleich ganz besonders auf das Preis-Leistungsverhältnis achten: "Der Discountbereich wird sogar auf Dauer noch Marktanteile gewinnen", ist sich der Kölner BBE-Textilberater Andreas Weck sicher.

Das Konzept der Textildiscounter ist stets dasselbe. Bedient wird ausschließlich das Niedrigpreissegment, teure Marken sind tabu. An anderer Stelle liegen Eigenmarken im Regal, oft kostengünstig genäht von Herstellern in Fernost. Die Faustregel dabei: Je mehr Filialen den Vertrieb übernehmen, desto billiger wird der Einkauf.

Die meisten der schmucklosen Läden eröffnen in mietgünstigen Randlagen - bevorzugt in den Fachmarktzentren auf der "grünen Wiese". Für hohe Kundenfrequenz verantwortlich ist dabei zumeist umfangreiche Werbung in Zeitungsbeilagen, per Radio- oder sogar TV-Spots.

Während nach Angaben des Statistischen Bundesamtes der gesamte deutsche Bekleidungshandel im Jahr 2002 4,2 % seines Umsatzes abgeben musste-der Fachhandel nach Angaben des Branchenverbands BTE sogar 8 % - schnitten die meisten Textildiscounter weitaus besser ab (siehe Tabelle). Allein der Schweizer Billiganbieter Vögele verlor stärker als die traditionellen Modeanbieter. Managementfehler des börsennotierten Händlers waren der Grund. Die rasante Expansion durch Zukäufe - unter anderem der Ketten MacFash, Kien und einer Peek&Cloppenburg-Tochter in den Niederlanden - brachte die Schweizer ins Minus. Weil Ladenhüter und neue Standorte, die kaum zum Systemgeschäft passten, das Ergebnis drückten, strich Vögele seinen Aktionären die Dividende.

Strategische Fehler waren es auch, die zuletzt den Billiganbieter NKD in die Insolvenz trieben. Der Discounter mit starkem Textilanteil hatte vor allem in Ostdeutschland reichlich Immobilien erworben - und sich damit finanziell verhoben. Die Nachfolgegesellschaft liefere aber inzwischen wieder "passable Zahlen", sagt Siegfried Jacobs, Hauptgeschäftsführer des Bundesverbands des Deutschen Textileinzelhandels (BTE). Er berichtet von ersten Sanierungserfolgen des einstmals mit rund 1 000 Läden operierenden Filialisten.

Von den 95 Mrd. Euro, die Deutschlands Verbraucher pro Jahr für Bekleidung ausgeben, landen 8 bis 10 % beim Discounter, schätzt BBE-Berater Weck. Doch die Zahlen sind vage. Zum einen mischen auch Lebensmitteldiscounter wie Aldi oder Lidl im Textilhandel mit, zum anderen sind die Grenzen zwischen Discountern und Fachmärkten bei den Modeverkäufern fließend. So hat die westfälische Takko-Gruppe, die neben Kik zu den am schnellsten wachsende Textildiscountern gehört, ihr Preis- und Qualitätsniveau nach oben korrigiert. "Für uns ist nicht mehr der absolut billigste Preis das Ziel", sagt Geschäftsführer Gerwin Eck.

Die einstige Tengelmann-Tochter, die sich seit 1999 in den Händen des Managements und der Wagniskapitalgeber Permira und DB Investor befindet, war vor drei Jahren in die Krise gerutscht. Mit Hilfe der Unternehmensberatung Icon Brand Navigation fand das Unternehmen aus Telgte heraus, dass ausgerechnet die billigen Massenartikel im Laden hängen blieben.

Jungunternehmer Eck reagierte prompt, tauschte Lieferanten aus, verordnete seinen Filialen ein Umbauprogramm, veränderte die Werbung und erhöhte die Preise. Das neue Konzept kommt an. Der Umsatz kletterte um mehr als 8 %. Jetzt schickt sich Takko an, seine Position zu festigen: Mit kleineren Läden und abgespecktem Sortiment zieht der Discounter demnächst zusätzlich in die Innenstädte.

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