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Killer gesucht

Eine ganze Branche hat sich auf die Suche nach einem Killer gemacht. Es geht um Mobile-Commerce.

"Was stellen Sie sich unter M-Commerce vor?" fragte Mannesmann in der vergangenen Woche die Besucher des Messestandes auf der Exponet in Köln. "Wir von Mannesmann wüssten es auch gerne", könnte man ergänzen. Denn trotz großflächiger Werbetafeln, die andeuten, was alles möglich sein wird, sieht das aktuelle Angebot an Mobile-Commerce-Lösungen noch recht mager aus.

Ein Mini-Shop für Handys und Handcomputer wird demonstriert und ein Navigationssystem. Doch keiner der Besucher verliebt sich spontan in den Plüsch-Hund "Wuffi, der im Handy-Shop angeboten wird. Wie auch, wenn auf dem Display außer dem Preis und ein paar Sätzen zur Produktbeschreibung nichts zu sehen ist. So wird M-Commerce schwerlich funktionieren.

Die Szene ist symptomatisch. Eine ganze Branche ist auf der Suche nach einem Killer. Man trifft sich auf Messen, Kongresse und Veranstaltungen wie dem WAP-Wednesday, wo die Konzerne auf die guten Einfälle der Existenzgründer hoffen. Nicht, dass es darum ginge, jemanden umzubringen. Gesucht wird eher eine Idee. Eine Idee für ein Produkt, das alle haben wollen und alles andere vom Markt fegt - ein Killer eben. Wer ihn zuerst engagiert, wird sich behaupten, glauben alle.

Und wie bei echten Kriminalfällen üblich, werden verschiedene Namen gehandelt: Die Netzbetreiber bezeichnen "Location based Service" als ihren Favoriten. Also einen Dienst, bei dem Informationen über den Aufenthaltsort des Nutzers mit anderen Daten wie Produktinformationen verknüpft werden.

Andere setzen auf Spiele und Unterhaltung und zeigen mit dem Finger nach Japan und Nordeuropa, wo angeblich alle verrückt danach seien. Siemens sieht vor allem großes Potenzial für Anwendungen, bei denen der Mitarbeiter eines Unternehmens von jedem Ort aus auf bestimmte Informationen wie Kunden- und Produktdaten zugreifen können.

Wer am Ende auf die Kunden und die Konkurrenz losgelassen wird, ist noch völlig offen. Vielleicht verläuft die Suche auch erfolglos oder es wird ein Kandidat mit stumpfen Waffen gewählt. Die bisherige Geschichte der WAP-Technik jedenfalls zeigt, dass auch bei der Auswahl eines Killers einiges schief gehen kann.

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