Kim Dae Young: „Schönstes Geschenk für Koreaner“
Freudentaumel in Südkorea und Japan - Katzenjammer in China

Himmelhoch jauchzend: Nach dem ersten WM-Sieg der Geschichte macht sich Südkorea berechtigte Hoffnungen auf den Einzug ins Achtelfinale. Zufrieden: Japaner feiern ersten WM-Punkt. Zu Tode betrübt: China nach 0:2-Niederlage gegen Costa Rica ohne realistische Chance.

dpa SEOUL/YOKOHAMA/PEKING. Helle Begeisterung in Seoul, ausgelassene Freude in Tokio: Bei den WM-Gastgebern Südkorea und Japan ist nach den erfolgreichen Auftaktspielen der eigenen Mannschaften endlich das WM-Fieber ausgebrochen. Mit dem 2:0-Sieg gegen Polen, dem ersten Sieg bei der sechsten WM-Teilnahme, stürzten Südkoreas "Red Devils" die Menschen von Seoul bis Busan in einen Freudentaumel. Fast südländische Begeisterung herrschte auch bei den sonst so unterkühlten Japanern, nachdem die "Blauen" beim 2:2 gegen Belgien den ersten WM-Punkt ihrer Fußball-Geschichte erkämpft hatten.

Nach dem Schlusspfiff um 22.23 Uhr Ortszeit stand Südkoreas ganz in rot getauchte Elf-Millionen-Metropole Kopf. Überall gab es Freudenausbrüche. Die Menschen kreischten und klatschten. Zuvor waren die Straßen - für Seouler Verhältnisse völlig ungewöhnlich - fast menschenleer gewesen. Auf dem Platz vor dem internationalen Medienzentrum hatten sich rund 5000 meist jugendliche in rot gekleidete Besucher eingefunden, die die Partie auf einer Großbildwand mit Lärminstrumenten bei voll aufgedrehten Lautsprechern verfolgten. Trommelwirbel der Fans und Hupkonzerte der Autofahrer sorgten für einen ohrenbetäubenden Lärm in fast jeder Ecke der südkoranischen Hauptstadt.

Auch Südkoreas Staatspräsident Kim Dae Jung zeigte sich nach dem 2:0-Erfolg der Nationalmannschaft des WM-Gastgebers gegen Polen begeistert. "Sie haben den Koreanern das schönste Geschenk gemacht. Als Präsident bedanke ich mich für die Mühen", sagte der Friedensnobelpreisträger nach der Partie am Dienstagabend in Busan. Um die Bedeutung des ersten südkoreanischen Sieges bei einer WM- Endrunde zu unterstreichen, ehrte er das Team mit einer ungewöhnlichen Geste: Direkt nach der Begegnung hatte er Spieler und Trainer Guus Hiddink in der Kabine aufgesucht und gratuliert.

Südkoreas Präsident Kim fand nach dem Spiel auch tröstende Worte für seinen sichtlich enttäuschten polnischen Amtskollegen Aleksander Kwasniewski, der sich zu einem Staatsbesuch in Seoul aufhielt und an der Seite Kims die Partie in Busan beobachtet hatte. "Polen wird im nächsten Spiel gut spielen, so Kim, "wir treffen uns in der nächsten Runde wieder." Kwasniewski lobte im Gegenzug die südkoreanische Mannschaft: "Sie hat überraschend gut gespielt."

In Tokio erreichte der Freuden-Pegel zwar nicht südkoreanische Dimensionen, für ihre Verhältnisse aber feierten die sonst so unterkühlten Japaner ebenfalls ausgelassen. Als Takayuki Suzuki um 19.14 Uhr den Rückstand zum 1:1 ausglich, ging ein Aufschrei durch das ganze Land, das sieben Minuten später nach dem Treffer zum 2:1 gänzlich aus dem Häuschen war. Dass es am Ende "nur" zu einem Punkt reichte, trübte die Freude nur wenig. Im Tokio Stadium hatten 40 000 in blaue Trikots gehüllte Fans das Geschehen auf einer riesigen Leinwand verfolgt.

Für die größte WM-Fangemeinde aber endete der asiatische Start ins WM-Turnier frustrierend. Mehrere hundert Millionen Chinesen verfolgten die 0:2-Pleite gegen Costa Rica am Fernseher mit. Vor dem Arbeiterstadion in Peking hatten sich mehrere tausend Menschen vor einer Großleinwand versammelt. Immer wieder jubelten die Menschen, wenn der chinesische Sturm in Ballbesitz war, aber nach den zwei schnellen Toren Costa Ricas in der zweiten Halbzeit war die Stimmung schlagartig stark gedämpft. Der Fernsehkommentator Liu Jianhong sagte: "Natürlich haben wir gehofft, dass wir gewinnen, aber dieses Spiel ist die Realität."

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