Kim Howell: "Kalter, mechanischer, konzeptioneller Bullshit"
Minister empört über diesjährigen Turner-Preis

Die mit 20 000 Pfund (32 000 Euro) dotierte bedeutendste Auszeichnung für britische Gegenwartskunst ging am Sonntagabend an den Künstler Keith Tyson.

HB/dpa LONDON. Der 33-Jährige erhielt den Preis unter anderem für zwei Gemälde und eine überdimensionale schwarze summende Säule, in der sich Computer befinden. "Kalter, mechanischer, konzeptioneller Bullshit", urteilte Großbritanniens Kunstminister Kim Howells über die Werke Tysons und seiner Mitbewerber.

Tyson selbst sprach nach der Verleihung in der Kunsthalle Tate Modern in London von einer großen Ehre. "Ich bin aber auch sehr erleichtert. Nicht weil ich gewonnen habe, sondern weil der Druck einem sehr zusetzt. Ich glaube, ich wäre genauso erleichtert gewesen, wenn ich ihn (den Preis) nicht bekommen hätte." Die Auszeichnung war von Daniel Libeskind, dem Architekten des Jüdischen Museums in Berlin, überreicht worden.

Die britischen Medien räumten der Preisverleihung am Montag viel Platz ein, reagierten aber oft mit Unverständnis auf die Jury- Entscheidung. "Das Allerbeste der Britischen Kunst: Eine große, schwarze Kiste, die summt", titelte etwa ironisch die Zeitung "Daily Mail" über Tysons Werk "The Thinker" ("Der Denker").

Als "Demütigung für das künstlerische Establishment" wertete "The Guardian" die Verleihung und schloss sich weitgehend der Sichtweise des britischen Kunstministers an. Dieser hatte auf einem Zettel an einer Ausstellungswand seiner Wut freien Lauf gelassen. "Wenn dies das Beste ist, was britische Künstler hervorbringen, dann ist die britische Kunst verloren." Insgesamt waren vier Künstler in die Endausscheidung gekommen.

Libeskind sagte bei der Verleihung, Kunst ohne Kontroverse könne es nicht geben. "Die Kunst ist wie ein Wecker, der uns aufrüttelt. Ohne Kunst gibt es keine Zukunft." Nach den Worten des Jury- Vorsitzenden und Tate-Direktors Nicholas Serota bietet der Turner- Preis die Chance, einige der besten Kunstwerke Großbritanniens zu sehen. Er hatte die Künstler aber auch gewarnt, dass von allen Seiten Druck auf sie zukommen werde.

Die Werke des diesjährigen Preisträgers Tyson sind stark von Elementen aus Wissenschaft, Philosophie und Science Fiction geprägt. Er ist seit Jahren der erste Maler, der den "Turner" erhält. Die Jury wertete sein Schaffen als "poetisch, logisch, humorvoll und fantastisch". Tyson ist vor allem dafür bekannt, dass er einen Computer mit Daten füttert, die dieser willkürlich zu neuen Begriffen zusammensetzt. In den vergangenen Jahren hatten bei der "Turner"- Entscheidung jeweils Konzeptkünstler im Vordergrund gestanden.

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