Kim Jong Il entschuldigt sich für Entführungen
Japan und Nordkorea legen zentrale Streitpunkte bei

Japan und Nordkorea wollen ihre Gespräche zur Normalisierung der diplomatischen Beziehungen wieder aufnehmen, nachdem sie am Dienstag zentrale Streitpunkte beigelegt haben.

Reuters PJÖNGJANG. Japans Ministerpräsident Junichiro Koizumi entschuldigte sich bei Nordkorea für die japanische Kolonialherrschaft von 1910 bis 1945, wie beide Staaten nach einem Gipfeltreffen in Nordkoreas Hauptstadt Pjöngjang erklärten. Zuvor hatte der nordkoreanische Staats- und Parteichef Kim Jong Il nach Angaben aus japanischen Regierungskreisen sein Bedauern über die Entführung japanischer Bürger in seinem Land geäußert.

Die Gespräche beider Staaten sollten im Oktober aufgenommen werden, hieß es in der Erklärung weiter. Nordkorea und Japan unterhalten derzeit keine diplomatischen Beziehungen. Die Verhandlungen über die Aufnahme der Beziehungen sind seit zwei Jahren wegen zahlreicher Streitpunkte festgefahren. Koizumis Reise nach Pjöngjang war der erste Besuch eines japanischen Ministerpräsidenten in dem kommunistischen Land. US-Präsident George W. Bush hat Nordkorea gemeinsam mit Irak und Iran als Teil einer "Achse des Bösen" bezeichnet.

Kim und Koizumi entschuldigen sich

Eine der wesentlichen Streitpunkte beider Staaten war die von Nordkorea geforderte Entschuldigung Japans für die Kolonialherrschaft in der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts. Zusätzlich fordert die Regierung in Pjöngjang Wiedergutmachung für diese Zeit. Am Dienstag vereinbarten beide Staaten, bei den Gesprächen ab Oktober auch über die Art und Höhe der Entschädigung zu reden. Analysten rechnen damit, dass Japan dem wirtschaftlich angeschlagenen Nordkorea Hilfen von bis zu zehn Milliarden Dollar gewähren könnte.

Auch Kim ging bei dem Gipfeltreffen auf eine zentrale Forderung Japans ein, indem er sich für die Entführung elf japanischer Bürger in den 70er und 80er Jahren entschuldigte. In japanischen Regierungskreisen wurde er aus dem Gespräch mit Koizumi mit den Worten zitiert: "Es ist bedauerlich, und ich möchte mich ehrlich dafür entschuldigen." Er habe zudem versprochen, dass sich derartige Fehltritte nicht wiederholten. Koizumi hatte erklärt, ohne eine Einigung in dieser Frage sei keine Normalisierung der Beziehungen möglich. Nach japanischer Darstellung sind die Bürger Jahren von nordkoreanischen Agenten entführt worden, um bei der Ausbildung von Spionen zu helfen. In japanischen Regierungskreisen hieß es, Nordkorea habe bestätigt, dass sechs der elf Vermissten tot, einer vermisst und vier am Leben seien.

Koizumi: Nordkorea zu Gesprächen mit USA bereit

Die Bedeutung des Gipfeltreffens geht aber weit über die japanisch-nordkoreanischen Beziehungen hinaus. Vor allem in den USA suchen Diplomaten nach Anzeichen, in welchem Maß die Regierung in Pjöngjang bereit für eine Öffnung des Landes ist. Koizumi sagte nach dem Gipfeltreffen: "Kim hat mich gebeten, allen mitzuteilen, dass nach seiner Ansicht die Tür für einen Dialog mit den USA stets offen ist." Es war erwartet worden, dass Kim angesichts eines drohenden Kriegs im Irak Gesprächsbereitschaft mit den USA zeigen werde, um sein Land international nicht völlig zu isolieren. Irak hatte am Montagabend erklärt, die Uno-Waffeninspektoren ohne Bedingungen wieder ins Land zu lassen.

Als weiteres Signal für eine Entspannung der Beziehungen zwischen Nordkorea und den USA kündigte Kim in der gemeinsamen Erklärung eine Verlängerung des Moratoriums für Raketentests an. Derzeit verzichtet das Land auf die Tests von Langstreckenraketen, die Japan als Bedrohung empfindet. Beide Politiker waren sich außerdem über die Notwendigkeit einig, mit allen betroffenen Staaten über die nordkoreanischen Raketen und die Atompolitik des Landes zu reden.

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