"Kind voller Urvertrauen und Lebensfreude"
Tausende nehmen Abschied von Jakob

Jakob von Metzler war vor zwei Wochen entführt und trotz Zahlung eines Lösegeldes getötet worden. "Wir geben Jakob von Metzler seinem Schöpfer zurück, voller Trauer, aber dennoch dankbar für das, was er uns gewesen ist", sagte der Präsident der Evangelischen Kirche Hessen und Nassau, Peter Steinacker, dem Redetext zufolge in seiner Predigt in Jakobs Taufkirche.

Reuters FRANKFURT. "Wenn es stimmt, was wir glauben, dass es keinen Ort der Welt und keine Sekunde ihrer Zeit gibt, an dem Gott nicht da ist - dann wird er auch Jakobs Trost in seinem Tod gewesen sein, sein Schild und Trost, wenn es ihm am allerbangsten um das Herz gewesen ist."

Der Bankierssohn sei ein Kind voller Urvertrauen und Lebensfreude gewesen, sagte Steinacker. "Mit seinem Charme eroberte er sich schnell die Herzen aller. Im Kreis seiner Klasse, seiner Freunde war er aufgehoben und behütet ... Er hat sein Leben so lieb gehabt." Jakobs Eltern sprach Steinacker direkt an und machte ihnen Mut: Trotz allem müssten und dürften sie weiterleben. "Sie haben mir gesagt, dass Sie mit dem Gedanken, die Welt sei grundsätzlich so grausam und schlecht, wie Sie Ihnen nun begegnet, nicht leben könnten. Ich wünsche Ihnen dazu Kraft und Mut und die Liebe der Menschen, die Sie jetzt in Ihrem Kummer nicht allein lassen".

Auch auf den mutmaßlichen Täter ging Steinacker in seiner Predigt ein. "Was geht in einem Menschen vor, der einen kleinen Jungen tötet?", fragte er. Nichts könne den Menschen von Gottes Liebe trennen. "Auch keiner, der uns ans Leben will. Aber so ein Mensch verdunkelt und verstellt uns Gottes über uns segnend leuchtendes Angesicht. Und das nimmt uns den Atem, erschüttert Leib und Seele."

Jakob war 1992 in der Katharinenkirche getauft worden, die auch Taufkirche Goethes war. Frankfurts ehemalige Hauptkirche liegt im Herzen der Stadt unmittelbar an der Einkaufsmeile Zeil. Auf Wunsch der Eltern sollte die Kirche, in der Jakob zu seinem Glauben gekommen war, auch der Ort sein, um von ihm Abschied zu nehmen. Für die Trauerfeier war das Gotteshaus mit bunten Blumen kindlich geschmückt. Jakob sollte später im Familienkreis auf dem Frankfurter Hauptfriedhof beigesetzt werden.

Jakob war Ende September auf dem Heimweg von der Schule entführt worden und blieb auch nach Zahlung eines Lösegeldes in Höhe von 1 Mill. Euro zunächst verschwunden. Die Polizei ging daraufhin an die Öffentlichkeit und nahm zugleich einen Tatverdächtigen fest, den sie bei der Geldübergabe beobachtet hatte. Die in blaue Plastiksäcke verschnürte Leiche des Jungen wurden nach Hinweisen des verdächtigen Jura-Studenten schließlich in einem See in Osthessen entdeckt. Gegen den 27-Jährigen wurde Haftbefehl wegen Mordes und erpresserischen Menschenraubes erlassen. Er soll am Montag erneut vernommen werden.

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