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Kinder im Visier von Entführern

In den vergangenen zwei Jahren wurden monatlich mehr als sieben gewaltsame Entführungen mit Lösegeldforderungen in Deutschland registriert.

ddp WIESBADEN. In den Jahren 2000 und 2001 ereigneten sich jeweils 90 Fälle erpresserischen Menschenraubs, sagte der Sprecher des Bundeskriminalamtes, Norbert Unger, am Dienstag der Nachrichtenagentur ddp in Wiesbaden. Davon seien 15 % versuchte Entführungen, die «in einer bestimmten Phase aus irgendeinem Grund abgebrochen wurden oder scheiterten». Diese Straftaten seien jedoch seit 1998 deutlich zurückgegangen. 1998 registrierte die Polizei noch 149 Fälle, ein Jahr später 103.

Nach BKA-Erkenntnissen waren im vergangenen Jahr 108 Menschen im Visier von Entführern. Bei 4 der Opfer handelte es sich um Kinder bis zu 14 Jahren. 12 seien Jugendliche im Alter von 14 bis 18 Jahren, 10 Heranwachsende zwischen 18 und 21 Jahren. Aus der Kriminalstatistik gehe jedoch nicht hervor, ob die Opfer tot oder lebendig gefunden werden konnten.

Die Wahrscheinlichkeit, dass die Täter gefasst werden, sei hoch, sagte der BKA-Sprecher. Seit 1998 seien im Durchschnitt 8 von 10 dieser erpresserischen Lösegeldfälle aufgeklärt worden.

Entführungen von Kindern und Jugendlichen


Juli 1980

Die zwei damals 13 und 15 Jahre alten Töchter und ein Neffe (15) des Fernsehjournalisten Dieter Kronzucker werden am 25.7. in der Toskana entführt. Die sardischen Kidnapper lassen die Kinder nach Zahlung eines Lösungsgeldes von 4 Mill. Mark am 1.10. frei.

November 1980

Auf dem Weg zur Schule wird die elfjährige Cornelia Becker aus dem badischen Weingarten entführt und später getötet. Der Kidnapper versucht, die Familie - die eine Klebstoff- und Lackfabrik besitzt - um 2 Mill. Mark zu erpressen. Die Geldübergabe geht jedoch schief. Das Mädchen wird am 20. Dezember tot bei Karlsruhe entdeckt, einen Tag danach wird der Mörder gefasst.

Dezember 1981

In Köln wird die achtjährige Bankierstochter Nina von Gallwitz gekidnappt. Ihre Eltern zahlen 1,5 Mill. Mark an die Täter. Erst danach - fünf Monate nach der Entführung - wird das Mädchen an einer Autobahnraststätte freigelassen.

Dezember 1987

Am 22. Dezember 1987 dringen drei mit Pistolen und Handgranaten bewaffnete Männer in die Villa des Drogerie-Unternehmers Anton Schlecker in Ehingen (Baden-Württemberg) ein und nehmen Tochter Meike (damals 14) und Sohn Lars (damals 16) als Geiseln. Die Kidnapper erpressen von den Eltern 9,6 Mill. Mark. Erst 1998 können die Täter gefasst werden

. Januar 1991

Der Neffe des später in Frankfurt entführten und ermordeten Jakub Fiszman, der sechsjährige Peter, und seine sieben Jahre alte Schulfreundin Lisa Abels, werden in Köln gekidnappt. Die Kinder werden nach drei Tagen überraschend wieder freigelassen. Dies geschah vermutlich, ohne dass das verlangte Lösegeld von 2,1 Mill. Mark gezahlt wurde. Die Entführer, Rainer K. und sein Sohn Sven, werden 1996 nach dem Mord an Peter Fiszmans Onkel festgenommen.

September 1997

Der 20 Jahre alte Geltower Gastwirtsohn Matthias Hintze wird von zwei Bekannten seiner Eltern entführt. Die beiden russischen Entführer versuchen, von diesen 1 Mill. Mark zu erpressen - auch dann noch, als Hintze längst tot ist. Der 20-Jährige war in einer Erdgrube erstickt, wo er gefangen gehalten wurde. Die beiden Entführer werden zu jeweils 14 Jahren und sechs Monaten Freiheitsstrafe verurteilt.

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