Kinderarbeit ist immer noch keine Ausnahme
Mehr Waren aus fairem Handel kaufen

Der Grünen-Entwicklungsexperte Thilo Hoppe hat zu einer "Politik mit dem Einkaufskorb" durch den Kauf von Produkten aus dem fairen Handel mit Entwicklungsländern aufgerufen. "Wer solche Produkte kauft, auch wenn sie etwas teurer sind, kann sicher sein, dass diejenigen, die sie in Übersee anbauen, von dem Ertrag auch leben können", sagte Hoppe in einem dpa-Gespräch.

HB/dpa BERLIN. Dies gelte für alle so genannten Kolonialwaren, also Produkte aus den früheren Kolonien. Zur Zeit seien zum Beispiel 25 Millionen kleinbäuerliche Existenzen in den Kaffee-Anbauländern akut bedroht, weil der Preis für ihren Rohstoff auf dem Weltmarkt ins Bodenlose gefallen sei, sagte Hoppe. "Wenn die Kaffeebranche aber sieht, dass es immer mehr Bundesbürger gibt, die bereit sind, etwas mehr zu bezahlen, weil es ihnen wichtig ist, dass die Menschen fair behandelt werden - dann könnten auch große Röstereien sagen: Da machen wir mit und haben einen Imagegewinn."

Je größer der Marktanteil für fair gehandelte Produkte werde, desto mehr wachse auch die Bereitschaft der Industrieländer generell, einen gerechten Preis für Rohstoffe zu zahlen. Der grüne Bundestagsabgeordnete verwies auf vergleichbare Vorgänge bei verschiedenen Sportartikel-Herstellern, die alarmiert von Kampagnen gegen Kinderarbeit - etwa bei der Herstellung von Fußbällen - ihre Produktion schließlich verändert hätten.

Wenn die Verbraucher danach fragten und Waren aus bestimmten Produktionsmethoden nicht mehr haben wollten, würden die Unternehmen letzten Endes auch reagieren. Das gelte nicht nur für Sportartikel oder Teppiche. "Dieser Ansatz muss ausgedehnt werden", sagte Hoppe.

Seine Kollegen im Bundestag rief Hoppe auf, ein Zeichen zu setzen und 0,7 Prozent ihres Einkommens für die Entwicklungsländer bereitzustellen. Alle Parteien außer der FDP hätten in ihren Wahlprogrammen das internationale Ziel verankert, 0,7 Prozent des Nationaleinkommens für Entwicklungshilfe auszugeben, sagte Hoppe. Tatsächlich liege der Anteil aber nur unter 0,3 Prozent. "Da ist es nur gut und richtig, ein Signal zu setzen: Politiker fordern nicht nur, sondern sie legen an sich selbst denselben Maßstab an." Mit einer solchen Aktion könnten rund eine Million Euro zusammen kommen.

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