Kinderkrankheiten der neuen Technik sind noch nicht vollkommen auskuriert
T-Mobile schließt Verschiebung von UMTS-Start nicht aus

Die Mobilfunkgesellschaft T-Mobile erwägt, den Start der neuen Technik UMTS zu verschieben - falls es nicht gelingt, die Kinderkrankheiten in den nächsten Monaten zu beseitigen. "Wir gehen davon aus, dass wir im Herbst starten werden. Aber unsere Kunden sollen keine Versuchskaninchen sein", sagte Timotheus Höttges, Chef von T Deutschland, -Mobile dem Handelsblatt.

BONN/MAILAND. "Es geht nicht darum, um jeden Preis, einen Termin einzuhalten. Erst wenn unsere Qualitätskriterien erfüllt sind, werden wir loslegen." T-Mobile ist in Deutschland der Mobilfunkmarktführer. Der Anbieter hat gerade die Marke von 25 Mill. Kunden erreicht.

Bislang haben die Unternehmen die UMTS-Technik nicht vollständig im Griff. Sie arbeiten zwar mit Hochdruck an der Lösung der Probleme, doch womöglich verzögert sich die Einführung des neuen Standards erneut. Bereits in den vergangenen Monaten haben die Netzbetreiber ihre Pläne korrigiert. So wollte Vodafone D2, die Nummer zwei auf dem deutschen Mobilfunkmarkt, die neue Technologie ursprünglich ab Frühjahr anbieten. Inzwischen ist von der zweiten Jahreshälfte 2003 die Rede.

Die Konkurrenten E-Plus und O2 wollen UMTS erst ab 2004 auf den Markt bringen. "Ich halte es für fahrlässig, wenn wir bei UMTS nur Ankündigungen machen und knappe Zeitpläne in die Welt setzen und hinterher Tausende von enttäuschten Kunden zurücklassen", sagte E Plus-Chef - Uwe Bergheim jüngst. Für den Start in das mobile Multimedia-Zeitalter sollen in erster Linie zwei Kriterien erfüllt sein: Es muss eine ausreichende Auswahl an UMTS-Handys geben. Und der Übergang der Gespräche zwischen dem neuen und dem alten Netz muss reibungslos funktionieren. Beides ist bisher nicht gegeben.

Unternehmen wie der Mischkonzern Hutchison Whampoa haben dies in Kauf genommen, als sie vor einigen Wochen mit UMTS in Großbritannien, Italien, Schweden und Österreich starteten. "Mobilfunker mit einer stabilen Kundenbasis können es sich erlauben, darauf zu warten, bis UMTS zu einhundert Prozent funktioniert. Hutchison muss sich aber eine Kundenbasis erst aufbauen und kann daher am Anfang mit einer 99-Prozent-Lösung leben", sagt Peter Scherer, Manager bei Siemens in Mailand. Der Konzern und NEC aus Japan sind die Netzausrüster von Hutchison.

Scherer spricht von "Feinabstimmung und "Optimierung", die an den neuen Mobilfunknetzen noch vorgenommen werden müssen. "Mehr nicht. Inhärente Probleme gibt es nicht", sagt er. Aus Sicht der Kunden stellen sich die technischen Schwierigkeiten aber durchaus gravierender. Wenn sich ein Nutzer während eines Gesprächs im UMTS-Netz in ein Gebiet bewegt, wo es bisher nur die ältere GSM-Technik gibt, bricht das Gespräch zwar nicht mehr ab. In umgekehrte Richtung funktioniert die Übergabe des Telefonats aber noch nicht. UMTS-Kunden haben zudem erst eine kleine Auswahl an Handys. Hutchison bietet beispielsweise nur zwei Geräte an.

UMTS soll die bestehenden Dienste im mobilen Internet schneller und bequemer machen, zudem ermöglicht es weitere Services wie Video-Telefonie. Die neuen Angebote sollen die Umsätze der Mobilfunk-Gesellschaften ankurbeln, die bisher weniger als ein Fünftel ihrer Erlöse mit Datendiensten - in erster Linie Textnachrichten - machen. Mit eigens auf die mobilen Internet-Portale zugeschnittenen Mobiltelefonen versuchen sie, Alternativen zu pushen - mit gutem Anfangserfolg, sagen Analysten. So hat beispielsweise Vodafone in Deutschland in fünf Monaten knapp 400 000 Handys für den Dienst "Vodafone Live" verkauft. Bei T-Mobile sind in den vergangenen vier Wochen 150 000 Geräte für die "T-Zones" über den Ladentisch gegangen.

Quelle: Handelsblatt

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