Kinderprostitution via Internet: Japans verkaufte Mädchen

Kinderprostitution via Internet
Japans verkaufte Mädchen

In Japan geraten immer mehr junge Mädchen über Internetseiten für Kontaktanbahnungen in die Prostitution. Der meist über Mobiltelefone eingefädelte Sexhandel hat so dramatische Ausmaße angenommen, dass die Polizei nun zu Gegenmaßnahmen aufruft.

HB/dpa TOKIO. Während weltweit Kinder als die Opfer angesehen werden, wurde in Japans Öffentlichkeit plötzlich auch über Forderungen diskutiert, auch die Minderjährigen zwecks Abschreckung zu belangen. Schließlich seien es in Japan in vielen Fällen die Mädchen selbst, die sich gegen Geld zum Sex anböten. Experten warnen jedoch vor oberflächlicher Betrachtung des Problems und weisen auf die Lage dieser Kinder hin. 1 731 Straftaten im Zusammenhang mit solchen Internet-Kontaktseiten registrierte die Polizei im vergangenen Jahr, fast doppelt so viele wie im Vorjahr.

In fast der Hälfte der Fälle ging es um Kinderprostitution. Die Zahl der Opfer belief sich auf 1517, wovon 83 Prozent Mädchen unter 18 Jahren waren. Dazu zählen Schulmädchen, die sich - oft älteren - Männern anbieten. Fast alle hatten die Seiten im Internet über ihre Handys aufgerufen. Darüber befragte Mädchen gaben an, sie wollten mit solchen bezahlten Treffen ihr Taschengeld aufbessern, um sich Modeartikel und Lokalbesuche leisten zu können. Doch es gibt auch andere Fälle: Experten wissen von Mädchen zu berichten, die von ihren Eltern vernachlässigt und misshandelt wurden, und das Geld brauchen, um sich durchzuschlagen. Andere Mädchen befinden sich in den Fängen von Gangsterorganisationen, die sie zur Prostitution treiben, erklärt Setsuko Tsuboi, Anwältin einer Gruppe in Tokio, die Opfern von Kinderprostitution hilft.

Dabei würden die Gangster die Kontaktanzeigen selber schreiben und unter dem Namen der Mädchen auf die Internetseiten stellen. Sobald jemand darauf anspringe, würden die Mädchen losgeschickt, schildert Tsuboi. Andere Japanerinnen probieren die Kontaktseiten im Internet, von denen es in Japan bereits mehr als 10  000 gibt, aus bloßer Neugier aus. In einem Fall zum Beispiel erhielt eine Schülerin als Antwort auf ihre Anzeige eine E-Mail eines Mannes, der sie mit den Worten verführte: "Ich mache Dich zum Fotomodell". "Als sie zur Verabredung erschien, warteten auf sie zwei Männer, die das Mädchen dann vergewaltigten", berichtet Tsuboi. In einem anderen Fall sei ein junges Mädchen aus gutem Hause von ihrem Freund zur Prostitution gezwungen worden, damit er sich von dem Geld Drogen kaufen kann.

Vor diesem Hintergrund überhaupt nur zu erwägen, auch die betroffenen Minderjährigen zu bestrafen, um sie von den Kontaktseiten fern zu halten, hält Tsuboi für unfassbar. Gäbe es keine Erwachsenen, die Geld dafür zahlen, gäbe es auch keine Kinderprostitution. Dem Gesetz nach droht Erwachsenen, die es auf Sexabenteuer mit Kindern abgesehen haben, Gefängnis bis zu drei Jahren oder Geldstrafen von bis zu fünf Million Yen (40 000 Euro). Trotzdem kommt es immer wieder vor, dass Männer über die einschlägigen Internetseiten Kontakte mit Minderjährigen aufnehmen und sich gegen Geld an ihnen vergehen. Man spricht auch vom "Lolita"-Komplex unter japanischen Männern, die in der Unschuld und Reinheit junger Mädchen einen besonderen Reiz sehen.

Videos mit Schulmädchensex gibt es reihenweise in fast jeder japanischen Videothek. Es werde in Familien und Schulen nicht offen über die Problematik gesprochen, kritisiert Tsuboi. Die Kinder seien nicht ausreichend aufgeklärt, welche gesundheitlichen Risiken und psychologischen Folgen ihnen drohen, wenn sie ihre Körper verkaufen. Das gleiche gelte für die Gefahr, ins kriminelle Milieu abzurutschen. Experten wie Tsuboi fordern denn auch Änderungen in der Erziehung. Die Polizei will nun mit einer neuen Gesetzesinitiative Internet-Dienste für Kontaktanbahnungen regulieren.

Sie stützt sich dabei auf eine Umfrage unter Jugendlichen, wonach sich rund 80 Prozent für eine solche Regulierung aussprachen. Die Polizei will, dass Minderjährige vom Zugang zu solchen Internetseiten über Mobiltelefon oder Computer ausgeschlossen werden. Das einfache Anklicken sollte zwar straffrei bleiben. Doch solle jeder, egal welchen Alters oder Geschlechts, der die Seiten mit der Absicht von Kontakten gegen Geld oder Sex nutze, belangt werden. Die beiden führenden Mobilfunkbetreiber NTT DoCoMo und J-Phone kündigten unterdessen an, voraussichtlich im Sommer den Zugang zu Online-Kontaktseiten zu regulieren. Unter anderem sollen durch Filterung der Inhalte Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren auf Verlangen der Eltern am Zugang solcher Seiten gehindert werden.

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