Kinderschänder gestehen Sexualmissbrauch und Mord des kleinen Pascal
Hauptverdächtige beim Fall Pascal war Schöffin

Die Hauptverdächtige im Fall des sexuell missbrauchten und ermordeten fünfjährigen Pascal war zeitweise Schöffin für Jugendsachen am Saarbrücker Amtsgericht.

HB/dpa SAARBRÜCKEN. Ein Gerichtssprecher sagte am Freitag, eine Frau mit Namen und Daten der Verdächtigen sei von 1997 bis 2000 in dem Ehrenamt tätig gewesen. Er bestätige damit einen entsprechenden Bericht des Nachrichtenmagazins "Der Spiegel".

Bei der Polizei sind über ein anonymes Telefon und ein Postfach inzwischen erste Hinweise zum Fall Pascal eingegangen. Ob eine "heiße Spur" dabei sei, könne noch nicht gesagt werden, sagte ein Sprecher. Mitglieder einer Gruppe von Kinderschändern und Prostituierten haben laut Polizei gestanden, den seit eineinhalb Jahren vermissten Pascal sexuell missbraucht und ermordet zu haben.

Von den zwölf festgenommenen Männern und Frauen gebe es mehrere übereinstimmende Aussagen, nach denen Pascal bereits am 30. September 2001 getötet wurde. Die Frau war Wirtin einer Gaststätte, in der Pascal, sein heute siebenjähriger Spielkamerad, mindestens noch ein kleines Mädchen und vermutlich auch andere Kinder nach bisherigen Ermittlungen wiederholt und über Monate hinweg sexuell missbraucht wurden.

Landesjugendamt liegt gegenüber der Gaststätte

Die Wohnung der Familie von Pascal war nur etwa 100 Meter entfernt. Genau gegenüber der Kneipe liegt das Landesjugendamt. Die inzwischen 50 Jahre alte Ex-Wirtin war zeitweise vom Jugendamt auch als Pflegemutter für den Pascal-Freund bestellt worden. Pascals Spielgefährte wurde laut "Spiegel" im Haus der Wirtin nicht nur von ihr und deren Partner, sondern auch von seiner Mutter und deren Lebensgefährten missbraucht. Die Polizei nahm dazu keine Stellung.

Das Kind hatte mit seinen Aussagen die Ermittlungen gegen die Kinderschänder-Bande entscheidend vorangebracht. Zur Funktion der Hauptverdächtigen als Schöffin sagte ein Sprecher des Amtsgerichts, "wir nehmen das schon sehr ernst". Nach den bisherigen Erkenntnissen des Gerichts seien keine Nachlässigkeiten bei der Auswahl der Frau zu erkennen.

Derzeit werde geprüft, ob die Frau als Schöffin an Sexualstrafverfahren beteiligt war. Unterdessen unterstrich Bundesjustizministerin Brigitte Zypries (SPD) ihre Forderung nach einer Verschärfung des Sexualstrafrechts. Mit einer Neufassung des Paragrafen 138 des Strafgesetzbuches müsse die Nichtanzeige von geplanten Sexualstraftaten unter Strafe gestellt werden. Damit solle einer Ignoranz des Themas Kindesmissbrauch begegnet werden.

Die Suche nach der Leiche des Jungen ruht derzeit. Der Boden in der Kies- und Sandgrube im lothringischen Schöneck bei Saarbrücken, wo der Leichnam vermutet wird, sei noch 30 bis 50 Zentimeter tief gefroren, berichtete ein Polizeisprecher. Die Suche werde erst wieder aufgenommen, wenn der Boden aufgetaut sei.

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