Kindertag im Bundestag
„Müssen die Abgeordneten alles mitschreiben?“

Wenn Schüler durch die Flure des hohen Hauses stürmen, entstehen Legenden. Beim Besuch im Bundestag machen sich die Kids ein eigenes Bild über Steuern, Parteien und Guido Westerwelle.

BERLIN. Abgeordnete? "Die bestimmen, ob die Schulbücher umsonst sind" und "dass der Vogelvirenschutz besser werden soll". Das glauben zumindest die Sechstklässler der Zernsdorfer Grundschule, die an diesem Montag im Deutschen Bundestag unterwegs sind. Ach ja, und "dass Samstags bald Schule sein soll - von Angela Merkel beschlossen". So entstehen Legenden - bei Kleinen wie bei Großen.

Es ist Kindertag im Reichstag - 1 300 Schüler streunen durch die Flure des Hohen Hauses, eingeladen von der Kinderkommission. Sicherheitshalber findet der Ansturm derer, die einst die Rente sichern sollen, auf den leeren Plenarsaal statt. Doch Grundsatzfragen wie der Unterschied zwischen Parlament und Regierung lassen sich auch ohne Politiker klären. "Die Regierung ist etwas höher", verkündet Max (12). Basta.

Oder das mit den Korridoren zwischen den Sitzen im Plenum. "Vielleicht können die sich nicht so leiden, weil sie von verschiedenen Parteien sind", mutmaßt Christopher (12). Nach und nach fallen ihnen auch die Namen dieser Parteien ein. Nur wer ganz rechts sitzt, weiß keiner. "Fängt mit F an", hilft die Führerin - erfolglos. "Die FDP", löst die Lehrerin das Rätsel. Da erinnert sich Felix (10): "Ich kenn Guido Westerwelle, der ist schwul". "Wirklich?" zweifelt sein Nachbar, "ich dachte, der ist Musiker?"

Zu anderen fällt den Brandenburger Knirpsen deutlich mehr ein: SPD? "Bei denen sind die Steuern nicht so hoch wie bei den anderen." Und Schröder ist einer von denen, aber Platzeck? "Ach so, der Placebo!"

CDU? "Die fördern so Einzelarbeiterfirmen, so Ich-AGs", weiß Christopher, "das macht mein Vater". Die Linkspartei dagegen "will keine Gesetze mehr und dass alles billiger wird, damit das Leben mehr Spaß macht - aber dann werden sie abgewählt und der Staat hat kein Geld mehr". So knapp kann das nicht mal Franz Müntefering.

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