Kinogruppe hofft auf Millionenkredit der Dresdner Bank
Cinemaxx ringt um Kapital und Zuschauer

Die Cinemaxx AG entpuppt sich immer mehr als harter Sanierungsfall. Um die angespannte Liquiditätslage zu entschärfen, will sich Deutschlands führende Kinokette vollständig aus dem Auslandsgeschäft zurückziehen. Das Unternehmen verhandelt zudem mit Vermietern und Verleihern um einen Zahlungsaufschub.

lip HAMBURG. Die börsennotierte Cinemaxx AG, Deutschlands führender Betreiber von Multiplex-Kinos, steckt tief in der Krise. Durch eine unkontrollierte Wachstumspolitik im Ausland, die dem Konzern rund 40 Mill. DM gekostet habe, und rückläufige Zuschauerzahlen ist die Filmtheaterkette in eine Finanzklemme geraten. "Die Liquiditätslage ist derzeit sehr schwierig", erklärte der demnächst ausscheidende Finanzvorstand Marius Schwarz auf der gestrigen Hauptversammlung in Hamburg. Der Aktienkurs brach daraufhin um 6,67 % auf 7 Euro ein.

Der Cinemaxx-Vorstand bemüht sich derzeit bei den Banken, Vermietern und Filmverleihern um einen Zahlungsaufschub bis zum Beginn der Kino-Hauptsaison im Oktober. Damit soll die angespannte Liquiditätslage entschärft werden. Denn die Frankfurter Dresdner Bank AG will der Kinogruppe erst einen Großkredit von 112,5 Mill. DM gewähren, wenn das Kostensenkungsprogramm greift. Cinemaxx hatte hierfür die Unternehmensberatung Droege & Comp. beauftragt.

Kernstück der Restrukturierung ist, das Auslandsgeschäft aufzugeben. "Wir werden uns künftig nur noch auf den Betrieb inländischer Kinos konzentrieren", erklärt Hans-Joachim Flebbe, Vorstandsmitglied und Großaktionär. So wurde das in der Türkei betriebene Kino inzwischen an den dortigen Mitgesellschafter abgegeben und das Multiplex-Kino in der Schweiz in ein Joint-Venture eingebracht. Die Verhandlungen über die bestehenden sowie geplanten Multiplex-Kinos in Dänemark und Ungarn dauern hingegen noch an.

Sollten die Maßnahmen greifen, werde die Cinemaxx AG bereits ab 2002 handelsrechtlich wieder in die Gewinnzone steuern. Im laufenden Geschäftsjahr werde die Filmtheatergruppe hingegen "kein positives Ergebnis" ausweisen, da der Finanzvorstand mit "einem nicht unbeachtlichen Einmalaufwand für die Bereinigung des Auslandsgeschäfts" rechnet. Zahlenangaben machte er hierzu nicht. Er betonte aber, dass in den vergangenen fünf Monaten vor allem durch das Auslandsgeschäft die Kredite im Konzern um 14,5 Mill. DM erhöht werden mussten

.

Im Rumpfgeschäftsjahr 2000 (1.07. bis 31.12.) verbuchte das Unternehmen einen Fehlbetrag von mehr als 52 Mill. DM. Davon wurden 36,2 Mill. DM durch Kapitalrücklagen ausgeglichen. Im vergleichbaren Vorjahreszeitraum wurde ein Gewinn von 3,07 Mill. DM erwirtschaftet.

Noch unklar ist die weitere Entwicklung der Zusammenarbeit mit der Ufa-Gruppe, die bundesweit vor allem traditionelle Kinos betreibt. Sie soll aber neu geordnet werden, da es in der Vergangenheit erhebliche Reibungsverluste bei Abstimmungsprozessen gegeben habe. Nähere Angaben hierzu wurden nicht gemacht.

Ob nach der Restrukturierung auch Veränderungen im Aktionärskreis bevorstehen, ließ Flebbe offen. Er hatte vor einigen Monaten erklärt, dass er bereit wäre, den 25,04 prozentigen Anteil der Kinepolis Group N.V. zu übernehmen. An Cinemaxx ist ferner die Senator Entertainment AG beteiligt. Deren Kurs sank um 10,33 % auf 5,38 Euro.

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