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Kinowelt-Tochter Brameier Fanworld stellt Insolvenzantrag

Das Münchener Filmunternehmen Kinowelt Medien AG gibt sein verlustträchtiges Geschäft mit Fan-Artikeln auf. Die Tochtergesellschaft Brameier Fanworld AG habe einen Insolvenzantrag gestellt, nachdem Gespräche mit möglichen Interessenten für Brameier gescheitert seien, teilte Kinowelt am Montag in München mit.

Reuters MüNCHEN. Bereits vorher habe Kinowelt beschlossen, dem Unternehmen aus dem westfälischen Drensteinfurt die finanzielle Unterstützung zu entziehen. Ein Sprecher sagte, die Aufgabe von Brameier werde Kinowelt in diesem Jahr mit über zehn Mill. DM belasten. Brameier betreibt als Lizenzgeber eine Kette von 113 Fanartikel-Läden ("Fanworld") in deutschen Großstädten. Kinowelt hält 65 % an Brameier. Die am Neuen Markt notierte Aktie verlor weitere 6,7 % auf 2,50 ?.

Kinowelt-Finanzchef Eduard Unzeitig hatte bereits Mitte Juni angekündigt, das defizitäre Merchandisinggeschäft bis Jahresende aufzugeben. In diesem Fall würden allein 80 Mill. DM Umsatz von den für das laufende Jahr geplanten 700 Mill. wegfallen. Weitere Belastungen für Kinowelt hingen von den Konditionen des damals noch geplanten Verkaufs ab. Ein Sprecher wies darauf hin, dass Kinowelt durch die Trennung von Brameier zugleich weniger Verluste zu tragen haben werde. In den ersten drei Monaten 2001 hatte die Merchandising-Sparte einen operativen Verlust von 3,6 Mill. ? hinnehmen müssen, zwei Mill. ? davon aus Abschreibungen.

Kinowelt will sich nach Angaben von Unzeitig auch von seiner Internet-Tochtergesellschaft trennen. Bis Ende des Monats wolle Kinowelt zusammen mit einer Unternehmensberatung ein Konzept zum Umbau des Unternehmens entwickeln. Für 2001 rechnet Kinowelt mit einem Rückgang des Ergebnisses vor Steuern und Zinsen (Ebit), das sich im vergangenen Jahr noch auf 49 Mill. DM belaufen hatte. Im ersten Quartal hatte Kinowelt einen Ebit-Verlust von 30,3 Mill. DM erwirtschaftet.

"Die Geschäftsaussichten im Merchandising haben sich in den letzten zwei Jahren dramatisch verschlechtert", begründete der Sprecher den Ausstieg. Fanworld-Gründer Horst Brameier gehören die übrigen 35 % am Unternehmen. Er habe lediglich einen Investor genannt, der für Kinowelt ein höheres Risiko bedeutet hätte als eine Aufgabe des Bereichs.

Kinowelt war im November 1998 zunächst mit 50 % bei Brameier eingestiegen. Das am Neuen Markt notierte Unternehmen hatte sich davon damals Merchandising-Chancen für seine Filme versprochen. Brameier blieb jedoch beim Vertrieb von Fußball- Fanartikeln und anderen Geschenkartikeln, die auch über große Kaufhaus-Ketten vertrieben werden. Das Film-Merchandising von Kinowelt liegt in den Händen der MR Kinowelt Merchandising, an der das Münchener Filmunternehmen 50 % hält. Die von den beiden Kinowelt-Gründern Michael und Rainer Kölmel betriebene Sportwelt AG, an der Kinowelt zehn Prozent hält, hatte kürzlich seine Investitionen in traditionsreiche deutsche Fußballvereine stark zurückgefahren und damit mehrere Klubs zum Zwangsabstieg aus der Regionalliga verurteilt.

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