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Kirch besitzt jetzt die Fußball-WM-Rechte weltweit

Die Kirch-Gruppe hat ihre führende Stellung beim Handel mit TV-Rechten im Sport ausgebaut. Das Münchner Unternehmen übernimmt die Fernseh-Rechte für die Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006 im außereuropäischen Raum und besitzt damit ein weltweites Monopol. "Wir haben die Option heute wahrgenommen", sagte Alexander Liegl, Geschäftsführer Sportrechte der KirchMedia am Montagabend.

dpa MüNCHEN. Die Kirch-Gruppe hatte zuvor bereits die Lizenzen für den europäischen und den US-Markt vom Fußball-Weltverband FIFA erworben. Die neu erworbenen Rechte waren nach der FIFA-Kündigung des Vertrages mit der Schweizer Agentur ISMM/ISL frei geworden und haben ein Volumen von 1,4 Mrd. Schweizer Franken (1,8 Mrd. DM/923 Mill. ?).

Für die Kirch-Gruppe ist der Deal ein gutes Geschäft. Die TV- Rechte sind in fast allen Ländern heiß begehrt und lassen sich mit hohen Gewinnen weiterverkaufen. So kassiert Kirch in Deutschland von ARD und ZDF für 24 Spiele der WM 2002 rund 250 Mill. DM. Für die WM 2006 in Deutschland ist mit einer Erhöhung der Einnahmen zu rechnen. Kirch kann sich außerdem ins gemachte Nest setzen, denn die im Konkurs befindliche ISMM/ISL hat zumindest im TV-Geschäft ordentlich gearbeitet: Die meisten Rechte für die WM 2002 in Japan und Südkorea sowie ein Teil für die WM 2006 in Deutschland hatte die Schweizer Agentur bereits verkauft. Kirch kann die Verträge übernehmen. Allein das Volumen der bereits getätigten Abschlüsse beträgt laut FIFA-Präsident Joseph Blatter gut eine Milliarde Schweizer Franken. Liegl erklärte: «Mit der heutigen Ausübung unserer Option ist die erhebliche Verunsicherung über die Zukunft der Übertragungsrechte der FIFA-Veranstaltungen, die mit dem Konkurs der ISMM-Gruppe entstanden ist, beendet.»

Die zuletzt gebeutelte FIFA hat nun ein Problem weniger. Mit Kirch steigt ein erfahrener Sportrechte-Händler ein. Die von Kirch erzielten Gewinne, die über die Garantiesumme von insgesamt 2,8 Mrd. Franken hinausgehen, werden zwischen dem Unternehmen und dem Weltverband nach einem bestimmten Schlüssel aufgeteilt.

Kirch besitzt eine Vielzahl von TV- und Vermarktungsrechten im Sport. In einem schwer überschaubaren Geflecht der Tochterunternehmen Taurus, Sport, KirchSport, Prisma, CWL, ISPR und KirchMedia WM AG werden diese verwertet und weiterverkauft. Neben den weltweiten TV- Rechten für die Fußball-Weltmeisterschaften besitzt das Unternehmen unter anderem TV-Lizenzen für die Fußball-Bundesliga, die Eishockey- Weltmeisterschaften und das Tennis-Grand-Slam-Turnier Wimbledon. Dazu kommen die Vermarktung von Fernseh-, Sponsoring- und Werberechten für mehrere europäische Fußball-Ligen, -Verbände und-Vereine.

Einer der größten Brocken war zuletzt das Engagement in der Formel 1. Die Kirch-Gruppe hält nach dem Einstieg bei EM.TV die Mehrheit an der Formel 1-Gesellschaft SLEC. Größter Konkurrent bei der Sportvermarktung in Europa ist der im Mai erfolgte Zusammenschluss der Bertelsmann-Tochter Ufa Sports, Sport Plus und der Gruppe Jean- Claude Darmon.

Bei der neuesten Akquisition sieht Kirch keine rechtlichen Probleme. Das Unternehmen und die FIFA sind sich sicher, dass die außereuropäischen TV-Rechte nicht zur Konkursmasse von ISMM/ISL gehören. Ob entsprechende Ansprüche geltend gemacht werden, wird sich voraussichtlich am Mittwoch bei der Gläubigerversammlung klären. Die FIFA ließ über ihre Anwälte verlauten, es handele sich lediglich um eine Lizenz, nicht um eine Eigentumsabtretung.

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