Kirch-Gruppe schweigt zu Kaufabsichten der Vermarktungsfirma von Thomas und Florian Haffa
Formel 1 bringt EM.TV ins Schleudern

Der Münchener Medienkonzern Kirch lässt offen, ob ein Einstieg beim Neuer-Markt-Unternehmen EM.TV geplant ist. Über den Sinn einer Transaktion herrscht in Branchenkreisen große Uneinigkeit.

HB/Reuters MÜNCHEN. Die Aktie von EM.TV & Merchandising AG hat auch gestern bei hohen Umsätzen hektisch gependelt. Zu Handelsbeginn stieg das Papier auf rund 22 Euro, rutschte wieder deutlich ab und stabilisierte sich dann bei etwa 20 Euro. Die Kirch-Gruppe ließ gestern offen, ob sie bei EM.TV die Mehrheit übernehmen wolle. In Branchenkreisen hieß es dagegen, es werde angeblich mit Hochdruck verhandelt.

Dementiert wurde jedoch die Meldung, dass sich die Kirch-Gruppe von ihrem 40prozentigen Anteil am Berliner Verlagshaus Axel Springer AG trennen will, um damit den Einstieg beim Münchener Rechtevermarkter EM. TV zu finanzieren. Ein Ausstieg von Kirch aus dem Springer-Verlag wird auch in Kreisen des Verlagshauses bezweifelt.

Die Beobachter beurteilen den möglichen Einstieg von Kirch bei EM.TV sehr unterschiedlich. Eine Übernahme durch Kirch würden ihn doch sehr wundern, meinte gestern der Vorstand eines anderen Münchener Medienunternehmens. Strategisch würde das wenig Sinn machen, sagten auch Analysten. Vor allem die Finanzierung einer solchen Transaktion sei ungeklärt. Zudem würden dadurch die angeblichen Finanzprobleme bei EM.TV nicht gelöst. Marc Röhder, Analyst der Großbank HSBC nannte das Projekt "sehr unwahrscheinlich".



Kirch könnte von Transaktion profitieren

Andere Beobachter sehen dagegen die Vorteile der Transaktion. EM.TV könnte beispielsweise durch den Zugang zu den Kirch-Sendern (Pro Sieben, Sat1, Kabel 1, Premiere World) die Vertriebsbasis verbreitern. Kirch könnte im Gegenzug seinen Lizenzbestand weiter ausbauen und vom Vermarktungs-Know-how der Gebrüder Haffa profitieren. Zudem sei die 50 %-Beteiligung an der Formel 1-Holding SLEC des Formel-Eins-Magnaten Bernie Ecclestone für die Kirch-Gruppe - einem der größten Sportrechtehändler - interessant, meinten Analysten. Hier liegt zugleich eine der größten Unsicherheiten für EM.TV: Denn in Branchenkreisen heißt es, dass EM.TV möglicherweise dazu verpflichtet werden könnte, weitere 25 % an SLEC für 2,2 Mrd. DM zu übernehmen. Ecclestone verfüge über eine entsprechende Verkaufs-Option. Dann werde das Geld bei EM.TV wirklich knapp.

Denkbar ist zur Zeit, dass die Kirch-Gruppe die EM.TV-Anteile von Unternehmensgründer und-chef Thomas Haffa, der zusammen mit seiner Familie knapp 50 % hält, übernimmt. Im Gegenzug könnte Haffa an der Kirch Media KGaA beteiligt werden. Offen ist aber wohl noch, ob Haffa bei EM.TV an Bord bleibt.

Zwischen Kirch und Haffa gibt es bereits enge Geschäftsbeziehungen. Haffa hat bei Leo Kirch nicht nur seine Karriere begonnen: Ende 1998 gründeten Haffa und Kirch unter dem Namen Junior auch ein Gemeinschaftsunternehmen. Kirch brachte aus seinen Archiven rund 20 000 Episoden aus Kinder- und Jugendprogrammen ein. Haffa zahlte 500 Mill. DM an Kirch, der damit seine Pay-TV-Pläne finanziert.



"Börsenzeitung": EM.TV kommt in Zahlungsschwierigkeiten

Die Probleme von EM.TV, bis vor kurzem noch einer der Lieblinge am Neuen Markt, sind offenbar größer als bekannt. Es dauere nur noch zwei bis drei Monate, bis EM.TV in Zahlungsschwierigkeiten komme, schreibt die "Börsenzeitung". Die Finanzierung von Transaktionen - wie etwa der Kauf der Formel-1-Rechte - sei zu teuer.

Klarheit über die Lage bei EM.TV erwarten die Aktionäre von den Neun-Monats-Zahlen. Sie werden Anfang kommender Woche veröffentlicht. Die EM.TV-Bilanz wies bereits im Halbjahresbericht einen Fehlbetrag von 29,7 Mill. DM aus. Dementiert wurden Gerüchte, EM.TV könnte sich vom 16,5 %-Paket an der Constantin Film AG trennen. Auch bei Constantin ist die Kirch-Gruppe mit einem Anteil von 24,2 % Partner von EM.TV.

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