Kirch hofft auf die Banken

Archiv
Kirch hofft auf die Banken

Kirch-Geschäftsführer Dieter Hahn zeigt sich zuversichtlich, die akuten Finanzprobleme des Medienkonzerns in den Griff zu bekommen. "Bis auf eine Bank, die eigene Interessen verfolgt, laufen die Verhandlungen mit allen Banken der Kirch-Gruppe gut", sagte Hahn der Zeitung "Welt am Sonntag".

rtr FRANKFURT. Zugleich räumte Hahn erstmals offen die schwierige Finanzsituation des mit rund sechs Mrd. ? verschuldeten Münchener Konzerns ein. "Perspektivisch können wir im Laufe des Jahres Liquiditätsprobleme bekommen. Unsere Kernaufgabe seit Monaten ist, dass sich die Kapitalstruktur von Premiere verbessern wird. Das Thema müssen wir lösen", zitierte die Zeitung Hahn.

Der britische PayTV-Sender BskyB, der zum Imperium des australischen Medienmoguls Rupert Murdoch gehört und mit 22 % an der defizitären Kirch-Tochter Premiere World beteiligt ist, hatte am Freitag seinen Rückzug aus diesem Engagement angekündigt. BskyB will eine im Herbst fällige Option zum Verkauf seines Anteils einlösen, was Kirch zur Zahlung von rund 1,7 Mrd. ? verpflichten würde.

Die Kirch-Gruppe, zu der neben Premiere auch die Fernsehender ProSieben, Sat.1, Kabel 1, N24 und DSF gehören, muss in den nächsten Monaten aber mehrere Großkredite bedienen. Außerdem muss Kirch möglicherweise mehr als eine drei viertel Milliarde Euro für Anteile an der Senderfamilie ProSiebenSat.1 aufbringen, weil der Axel Springer Verlag von einer Verkaufsoption an Kirch Gebrauch machen will.

Im Zusammenhang mit den Problemen bei Kirch hat nun die Essener Verlagsgruppe Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) Interesse zur Übernahme von Kirch-Anteilen am Springer-Verlag signalisiert. Sollten im Zusammenhang mit den finanziellen Schwierigkeiten bei Kirch Anteile am Springer Verlag zum Verkauf stehen, "werden wir den Finger heben", sagte WAZ-Geschäftsführer Lutz Glandt dem "Berliner Tagesspiegel". An Springer hält Kirch 40 %.

Branchenkreise gehen davon aus, dass Leo Kirch zur Rettung seines Unternehmens nun dringend versucht, Konzernbeteiligungen zu verkaufen. Als andere Optionen gelten der Einstieg eines ausländischen Großinvestors oder eine gemeinsame Rettungsaktion der Gläubigerbanken. Beides ist aber noch nicht in Sicht.

In der öffentlichen Diskussion ist in den vergangenen Tagen auch eine nationale Auffanglösung für Kirch unter Beteiligung der Politik für möglich erachtet worden. Die Bundesregierung sieht sich nach Aussage ihres Sprechers Uwe-Karsten Heye dabei aber nicht als Akteur. Angeschoben wurden diese Spekulationen, nachdem sich jüngst der Vorstandssprecher der Deutschen Bank, Rolf Breuer, öffentlich in New York zur Problematik der Kirch-Gruppe geäußert hatte. Das größte deutsche Geldhaus gehört zu den wichtigsten Gläubigern von Kirch.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%