Kirch-Insolvenz
Kirch Media auf Fernsehen und Filmrechte eindampfen

Filmbibliothek abgewertet und DSF sowie Produktionsfirmen stehen zum Verkauf. Hauptstreitpunkt ist die Bewertung des Filmrechtebestands von Leo Kirch.

MÜNCHEN. Das Konzept zur Rettung der schwer angeschlagenen Kirch Media liegt gut zwei Monate nach dem Insolvenzantrag auf dem Tisch. Nach Handelsblatt-Informationen sieht es vor, einen großen Teil der Film- und Fernsehproduktion zu verkaufen, aber die Filmrechtebibliothek und die Mehrheitsbeteiligung am TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media AG in einer Hand zu lassen. Hauptstreitpunkt ist derzeit noch die Bewertung des Filmrechtebestands von Leo Kirch.

Die Zeit drängt, denn spätestens in der übernächsten Woche soll das Insolvenzverfahren über die Kirch Media eröffnet werden. Gleichzeitig sollen dann eine oder mehrere Auffanggesellschaften gegründet werden, in denen das werthaltige Geschäft gebündelt wird. Der Rest wird einzeln verkauft.

Das Konzept liegt den beiden Kirch-Media-Chefs Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems sowie dem vorläufigen Insolvenzverwalter Michael Jaffé seit wenigen Tagen vor. Im einzelnen sieht es vor, rund zwei Drittel des Umsatzes in der Film- und Fernsehproduktion aufzugeben. Zum Verkauf steht danach auch die NDF Neue Deutsche Filmgesellschaft. Mit in die neue Kirch Media aufgenommen würden nur einige renditestarke Entertainment-Produktionsfirmen. Auch für den Sport-Spartenkanal DSF sowie die Produktionsfirma Plazamedia wäre nach dem Konzept kein Platz in der Auffanggesellschaft.

Erhebliche Differenzen gibt es derzeit noch über die Bewertung der Filmbibliothek, dem ursprünglichen Kerngeschäft des Filmhändlers Leo Kirch. "Der Wert wird massiv nach unten gehen", heißt es aus Verhandlungskreisen. Wie verlautet, seien nach einer konservativen Schätzung lediglich ein Drittel bis die Hälfte aller Filmrechte überhaupt werthaltig. In der letzten verfügbaren Kirch-Bilanz wurde der Rechtestock noch mit etwa drei Milliarden Euro bewertet. Die Bibliothek dient den Banken als Sicherheit. Eine massive Abwertung hätte also auch für sie schwerwiegende Folgen. Die Filmbibliothek soll schrittweise auf die Auffanggesellschaft übertragen werden.

Auch über eine Abtrennung des Sportrechtehandels denken die Kirch-Sanierer nach. Ein Szenario sieht vor, diesen in eine eigene Auffanggesellschaft zu überführen. "Der Sport- und Filmbereich kann getrennt werden", heißt es. Vorstellbar ist bei Sportrechten eine Konzentration auf profitable Großereignisse wie die Fußball-WM oder die Olympischen Spiele. Gerade das Geschäft mit Sportrechten hatte der Konzern zuletzt stark ausgeweitet.

Zurzeit durchleuchten Berater von Roland Berger den Medienkonzern. Die Investmentbank UBS Warburg ist mit der Suche nach Käufern für die Auffanggesellschaft beauftragt. Es liegen bereits 55 Angebote auf dem Tisch. Interesse haben sowohl große Hollywood-Studios als auch Finanzinvestoren und europäische Medienkonzerne signalisiert. Die Auswahl soll Ende Juni beginnen.

Von CASPAR BUSSE, Handelsblatt

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