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Kirch-Isolvenz trifft vor allem Münchener Banken

Die Insolvenz der Kirch-Media wird sich durchaus unterschiedlich auf die Gläubigerbanken des Medienkonzerns auswirken. Auf der sicheren Seite sehen sich eigenen Angaben zufolge auf Grund ihrer vorrangigen Besicherungen die Deutsche Bank und die Dresdner Bank.

vwd MÜNCHEN/FRANKFURT. Auch nach Ansicht von Analysten haben diese beiden Institute nichts zu befürchten. Etwas wackeliger seien die Besicherungen der Kredite von Commerzbank und DZ Bank, hieß es in Frankfurter Bankenkreisen. Die größen Ausfälle hat den Kreisen zufolge nun die Kirch-Hauptgläubigerin, die Bayerische Landesbank, zu befürchten.

Der Kredit der Deutschen Bank, der dem Vernehmen nach rund 770 Mill. Euro betragen soll, ist mit Kirchs 40-prozentigen Anteil am Axel Springer Verlag besichert. Branchenkreise schätzen den Wert des Anteils auf rund 1,1 Mrd. Euro. Die Deutsche Bank selbst hatte auch schon betont, sie sehe sich daher bezüglich einer möglichen Kirch-Insolvenz auf der sicheren Seite. Das Institut hatte sich auch bei den Sanierungsgesprächen auffällig zurückgehalten. Vorstandssprecher Rolf-E. Breuer hatte in New York Zweifel an der Kreditwürdigkeit Kirchs geäußert und die Krise des Medienkonzerns nach Auffassung von Beobachtern zusätzlich in Schwung gebracht.

Eine ähnliche Situation ist bei der Dresdner Bank zu konstatieren: Das Institut ließ sich seinen Kredit von 460 Mill. Euro mit dem 25-prozentigen Anteil von Kirch an dem spanischen Fernsehsender Telecinco absichern. Dessen Wert schätzen Medienexperten auf rund 500 Mill. Euro. Daher habe auch die Dresdner Bank ihre Scherflein im Trockenen, hieß es in Bankenkreisen. Der Kredit ist bereits fällig geworden. Bis auf weiteres wolle man keine Zurückzahlung verlangen, teilte die Dresdner Bank am Montag mit.

Etwas schwieriger scheint die Lage bei der Commerzbank zu sein: Deren Kredit von rund 300 Mill. Euro soll mit Filmrechten besichert sein. Zur Besicherung des DZ-Bank Kredits von rund 400 Mill. Euro dient ebenfalls das in der KirchMedia gebündelte Kerngeschäft. Ferner sind bei der DZ Bank bereits im März nicht näher bezifferte "kurzfristige Kredite in signifikanter Höhe" fällig geworden, die noch nicht zurückgezahlt wurden.

Als weit prekärer bezeichneten Beobachter allerdings die Lage bei den beiden Münchner Gläubigerbanken, bei denen Kirch mit mehr als 2 Mrd. Euro in der Kreide steht. Allein 1,9 Mrd Euro lieh die Bayerische Landesbank (BayernLB) nach eigenen Angaben an Kirch aus. Nach den Worten des bayerischen Finanzministers Kurt Falthauser ist dieser Kredit der halbstaatlichen Bank zwar dreifach besichert, unter anderem mit Kirchs Formel-1-Anteil. Daneben ist der Kredit nachrangig mit Kirchs Springer-Anteil besichert, aus dem sich zunächst aber die Deutsche Bank bedienen darf.

Auch beim "dritten Pfandrecht" könnte ein Konflikt drohen. Wie die Commerzbank und die DZ Bank kann die Bayern-LB auf Filmrechte zurückgreifen. Ebenfalls durch Filmrechte der Kirch-Media besichert sein soll auch der Kredit der Hypo-Vereinsbank. Er soll sich auf unter 500 Mill. Euro belaufen. Der Vorstandsvorsitzende der BayernLB, Werner Schmidt, hatte im Februar geäußert, die Bank sehe "kein akutes Ausfallrisiko". In Kapitalprobleme könne die Bayern-LB durch Kirch nicht geraten, was auch die Bankenaufsicht bestätigt habe. Die stillen Reserven der Bank überstiegen das Kredtivolumen bei weitem.

Auch Analysten betonten, die Bayern-LB als größter Kreditgeber sei am stärksten von der KirchMedia-Insolvenz betroffen. Deren Sicherheiten könnten sich als nicht so werthaltig erweisen wie vorher gedacht, hieß es. Auch bei der Hypo-Vereinsbank werde es zu Ausfällen kommen. Einig sind sich die Analysten, dass die Deutsche Bank durch ihren Springer-Anteil gut abgesichert ist. Am Markt standen nach der gemeldeten Kirch-Insolvenz vor allem Hypo-Vereinsbank unter Druck. Bis gegen 12.35 Uhr verlor der Titel 3,7 Prozent auf 38,27 Euro.

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