Kirch-Krise
Premiere kommt bei Verhandlungen voran

Der von der Insolvenz bedrohte Münchener PayTV-Sender Premiere kommt nach Angaben aus Verhandlungskreisen bei den Gesprächen über eine Neuaufstellung offenbar gut voran. Bei den Verhandlungen mit den US-Filmstudios befinde sich Unternehmenschef Georg Kofler "auf gutem Wege", hieß es am Donnerstag in den Kreisen.

Reuters MÜNCHEN. In mehreren Fällen stehe möglicherweise ein Abschluss kurz bevor. Als Beispiel wurde das zum Medienimperium von Rupert Murdoch gehörende Filmstudio Fox genannt. Auch in Kreisen der Premiere-Gläubigerbanken wurden Fortschritte bei den Gesprächen bestätigt. "Der Kofler macht das ziemlich gut", hieß es.

Kofler versucht nach dem Insolvenzantrag der Muttergesellschaft von Premiere, der KirchPayTV, seine Kosten für Film- und Sportrechte deutlich zu reduzieren, weil dies seiner Ansicht nach Voraussetzung für das mittelfristige Überleben des Senders ist. Die Kirch-Gruppe hatte die Senderechte zum Teil vor Jahren überteuert eingekauft und zudem die langfristige Abnahme zugesichert.

Überbrückungskredit soll bald fließen

Bei Premiere wollte man sich zum Verlauf der Verhandlungen nicht näher äußern. Es gebe "konstruktive Gespräche mit allen Partnern", sagte ein Sprecher auf Anfrage lediglich. In der Vergangenheit war im Gegenzug für Preisnachlässe oder Forderungsverzichte der US-Studios häufig die Möglichkeit eines Einstiegs bei dem Münchener Bezahl-Fernsehsender genannt worden. Ob die aktuell laufenden Verhandlungen nach wie vor ein solches Modell vorsehen, blieb allerdings offen.

Auch der für den Fall der Vergabe der Fernsehrechte der Fußballbundesliga an KirchMedia angekündigte Überbrückungskredit für Premiere von 100 Millionen Euro von HypoVereinsbank und Bayerischer Landesbank (BayernLB) soll bis Ende der Woche fließen. In Bankenkreisen hieß es, sobald der Lizenzvertrag zwischen Premiere und KirchMedia abgeschlossen sei, stehe der Betrag dem PayTV-Sender zur Verfügung. Die Vereinbarung sei aber "quasi-fix" und "kurz vor der Unterschrift". Dass Premiere über das Geld noch nicht verfüge, sei zudem nicht dramatisch, weil der Sender offenbar momentan über ausreichende Mittel verfüge. Durch die Abo-Gebühren erhält der PayTV-Sender monatlich Gelder.

Mittelfristig weitere Investoren nötig

Kofler hatte nach dem Zuschlag für die Fernsehrechte für die Fußball-Bundesliga erklärt, die Zukunft von Premiere sei nun bis Herbst sicher. Die insolventen Kirch-Gesellschaften KirchMedia und Taurus Holding würden dem PayTV-Sender rund eine halbe Milliarde an Forderungen erlassen, sagte er. Nichtsdestotrotz benötigt Premiere aber mittelfristig neue Gesellschafter, die in den hoch defizitären Sender investieren.

Der Rechtevergabe durch die Deutsche Fußball-Liga (DFL) war ein mehrwöchiger Bieterwettstreit zwischen KirchMedia und dem Kirch-Erzrivalen Herbert Kloiber vorausgegangen. KirchMedia bekam schließlich den Zuschlag für die kommenden zwei Saisons für jeweils 290 Millionen Euro sowie eine Einmalzahlung von 50 Millionen Euro. Darüber hinaus besteht eine Option für die Spielzeiten 2004/05 sowie 2005/06. Durch den Erhalt der Rechte konnte die insolvente KirchMedia ihre Attraktivität für die Suche nach Investoren steigern, während Premiere den dringend notwendigen Zugriff auf seinen wohl wichtigsten Programminhalt behielt.

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