Kirch Media
Analyse: Die deutsche Lösung

Mit dem bevorstehenden Verkauf des Kerngeschäfts der insolventen Kirch Media an den Bauer Verlag und die Hypo-Vereinsbank (HVB) haben die Kirch-Sanierer fast alle Forderungen der deutschen Medienpolitiker erfüllt.

Selten waren die Kirch-Sanierer Wolfgang van Betteray und Hans-Joachim Ziems so gelöst wie am Mittwoch Nachmittag nach der Sitzung des Gläubigerausschusses. Kein Wunder: Mit dem bevorstehenden Verkauf des Kerngeschäfts der insolventen Kirch Media an den Bauer und die Hypo-Vereinsbank (HVB) haben sie fast alle Forderungen der deutschen Medienpolitiker erfüllt. Kirchs riesige Filmbibliothek und - noch wichtiger - die Mehrheit an der Senderkette Pro Sieben Sat 1 Media AG bleiben in deutscher Hand. Alle Ängste, ein wichtiger Teil des deutschen Privatfernsehens könne künftig von Firmen des australischen Medienunternehmers Rupert Murdoch oder aus dem Reich des italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi gesteuert werden, sind damit vom Tisch.

Mit einem Preis von rund 2 Mrd. Euro haben die Konkurs-Spezialisten zudem offenbar die Summe erlöst, die sie von Anfang an im Auge hatten. Und das trotz der tiefen Krise, in der die deutschen TV-Sender und Filmrechtehändler seit Monaten stecken. Damit dürften auch die Gläubiger zufrieden sein.

Und nicht nur das: Auch die freien Aktionäre von Pro Sieben können endlich aufatmen. Durch die geplante Eingliederung des Filmrechtehandels der Kirch Media in den Fernseh-Konzern wird der Senderverbund (Pro Sieben, Sat 1, Kabel 1, N 24) kräftig aufgewertet. Jahrelang hatten Spekulationen, Kirch würde das Unternehmen beim Filmeverkauf über den Tisch ziehen, für einen starken Kursabschlag und Verstimmung bei Aktionären und Analysten gesorgt.

Gewiss: Der Abschluss ist noch nicht unter Dach und Fach. Außerdem hat die Käufersuche wesentlich länger gedauert als erwartet. Noch fehlen auch die Details, wie der Deal genau aussehen wird. So ist es völlig unklar, in welcher Form und mit welcher Finanzierung Bauer und HVB die Filmbibliothek und den Rechtehandel in Pro Sieben einbringen werden. Es steht auch noch nicht fest, wie sich der Sender mit der neuen Sparte positionieren wird. Darüber hinaus ist offen, ob Bauer sich nicht aus medienrechtlichen Gründen doch von Teilen des Konzerns oder seiner Beteiligung an RTL 2 trennen muss.

Die Chancen stehen aber gut, dass mit der jetzt gewählten Lösung auf Dauer ein profitables Unternehmen entsteht. Verleger Heinz Bauer hat gezeigt, dass er mit seinen Zeitschriften (Bravo, Neue Post, TV Movie) über Jahre gutes Geld verdienen kann. Auch Pro Sieben selbst macht Gewinn und dürfte zusammen mit dem Filmrechtehandel eher noch zulegen.

Jetzt kommt es darauf an, möglichst schnell die neue Pro Sieben AG auf die Beine zu stellen. Bis spätestens 15. Dezember wollen van Betteray und Ziems die Verträge unterschrieben haben. Gut möglich, dass bis dahin die Sony-Tochter Columbia, ein US-Filmstudio, noch zu dem Konsortium von Bauer und HVB hinzustößt. Auch der Axel Springer Verlag könnte sich noch beteiligen, heißt es. Das alles würde der jetzt gefundenen Lösung eher noch mehr Kraft geben.

Die Weichen sind damit gestellt, das ehemalige Kirch-Imperium auf neue Beine zu stellen. Auch wenn der Verkauf sieben Monate nach der Insolvenz wesentlich später kommt, als sich das alle Beteiligten vorgestellt hatten.

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%