Kirch Media behält sich rechtliche Schritte vor
Dresdner hat Kirch-Anteile an Telecinco übernommen

Die Dresdner Bank hat trotz der Androhung von Schadensersatzforderungen von Kirch Media den ihr bereits als Pfand dienenden Kirch-Anteil am spanischen Fernsehsender Telecinco wie erwartet erworben.

Reuters FRANKFURT/MADRID. "Wir haben die zur Auktion stehende Vorschaltgesellschaft erworben", sagte am Donnerstagabend ein Sprecher der Dresdner Bank, ohne den Kaufpreis zu nennen. "Dies ist ein technischer Zwischenschritt bis zur Verwertung des Anteils. Da der Anteil an Telecinco nun vollständig im Besitz der Bank ist, kann das Institut den Anteil ohne Zeitdruck selbst am Markt verwerten, weil nun keine Zwangsversteigerung des Anteils mehr droht. Für einen Dritten ist die zur Versteigerung anstehende Vorschaltgesellschaft uninteressant, denn sie ist ebenso wie die Telecinco-Anteile an die Dresdner Bank verpfändet, bis das Institut seinen Kredit vollständig zurückgezahlt erhalten hat. Die Allianz-Tochter beansprucht das Aktienpaket als Sicherheit für einen Kredit in Höhe von 500 Mill. ?, der allerdings an die Mutter der insolventen Kirch Media, die Kirch-Holding, vergeben worden war.

Da das Pfand damit aber nicht in der Gesellschaft des Kreditnehmers aufgehängt ist, lehnen die neue Geschäftsführung und die Gläubigerbanken der KirchMedia die Verwertung durch die Dresdner Bank ab. "Wir halten eine Veräußerung durch die Dresdner Bank nach wie vor für nicht für rechtmäßig", hatte ein Kirch-Media-Sprecher am Mittwoch frühere Aussagen bekräftigt. Kirch Media behalte sich vor, Schadensersatzansprüche zu prüfen.

Die Dresdner Bank will den Auktionspreis mit der Kreditforderung verrechnen, so dass die Bank de facto kein zusätzlichges Geld aufbringen müsste. Einem Schadensersatzverfahren sieht das Geldhaus gelassen entgegen: "Wir gehen davon aus, dass die Verpfändung rechtmäßig ist", heißt es aus Kreisen des Instituts. Schon vor Monaten hatte Bankchef Bernd Fahrholz von einer aus seiner Sicht "rechtsbeständigen" Verpfändung gesprochen. Der Dresdner-Mutter Allianz dürfte ein zügiges Ende des Disputs gelegen kommen, denn damit hätte die verlustbringende Banktochter ein Problem weniger zu lösen.

Die Kirch-Media-Gläubiger Banken Commerzbank, HypoVereinsbank, DZ Bank und Bayerische Landesbank wollten zunächst den Verkauf abwarten und dann erst ihre Ansprüche am Erlös anmelden. Die Banken bezweifeln, dass die Besicherung rechtmäßig ist, auch weil sie erst im Februar und damit innerhalb von drei Monaten vor dem Insolvenzantrag eingetragen worden sei. KirchMedia hatte den Telecinco-Anteil mit einem Wert von rund 500 Mill. ? taxiert. In den vergangenen Wochen hatte es bereits zwei Auktionen mit festgelegten Mindestgeboten von 300 Mill. beziehungsweise 225 Mill. ? gegeben. Diese verliefen aber erfolglos, weil die Vorschaltgesellschaft an sich wertlos sind. Neben KirchMedia hält Mediaset, der Medienkonzern von Italiens Ministerpräsident Silvio Berlusconi, rund 40 % an Telecinco. Weitere Aktionäre sind ICE mit einem Anteil von zehn Prozent und der spanische Verleger Correo mit 25 %.

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