Kirch Media droht mit Schadenersatzklage
Dresdner will Kirchs Telecinco-Paket kaufen

Trotz der Androhung von Schadenersatzforderungen von Kirch Media wird die Dresdner Bank am Donnerstag wohl den ihr als Pfand dienenden Kirch-Anteil am spanischen Fernsehsender Telecinco selbst erwerben. Dann könnte das Institut die 25 %-Beteiligung ohne Zeitdruck selbst am Markt verwerten.

Reuters HB FRANKFURT. "Der Eigenerwerb ist weiterhin eine Option für uns", sagte ein Dresdner-Sprecher. Bei der dritten Auktionsrunde am Donnerstag in Madrid, der zwei erfolglose vorausgegangen waren, wird es kein Mindestgebot für den Telecinco-Anteil mehr geben. Die Allianz-Tochter beansprucht das Aktienpaket als Sicherheit für einen Kredit von 500 Mill. Euro, der an die Mutter der insolventen Kirch Media, die Kirch-Holding, vergeben worden war.

Da das Pfand damit nicht in der Gesellschaft des Kreditnehmers aufgehängt ist, lehnen die neue Geschäftsführung und die Gläubigerbanken der Kirch Media die Verwertung durch die Dresdner Bank ab. "Wir halten eine Veräußerung durch die Dresdner Bank nach wie vor für nicht für rechtmäßig", bekräftigte ein Kirch-Media-Sprecher. Sein Unternehmen behalte sich vor, Schadensersatzansprüche zu prüfen. Dies sei mit dem Insolvenzverwalter Michael Jaffé abgestimmt.

Die Dresdner Bank hält einen Kauf für sinnvoll, da es dann nicht mehr zu einer von Kirch erzwungenen Zwangsversteigerung kommen kann und die Bank einen geordneten Verkauf bei einer günstigen Marktsituation anstreben kann. Der Auktionspreis würde mit der Kreditforderung verrechnet, so dass die Bank de facto kein zusätzliches Geld aufbringen müsste. Einem Schadensersatzverfahren sieht das Geldhaus gelassen entgegen: "Wir gehen davon aus, dass die Verpfändung rechtmäßig ist", heißt es aus Kreisen des Instituts.

Die Kirch-Media-Gläubiger Commerzbank, Hypo-Vereinsbank, DZ Bank und Bayerische Landesbank wollten den Verkauf abwarten und dann erst ihre Ansprüche am Erlös anmelden. Die Banken bezweifeln, dass die Besicherung rechtmäßig ist, auch weil sie erst im Februar und damit innerhalb von drei Monaten vor dem Insolvenzantrag eingetragen worden sei.

Falls doch ein Dritter den Telecinco-Anteil ersteigern will, würde die Dresdner Bank dies bei ihren Preisforderungen berücksichtigen. "Eine schnelle Lösung in bar ist natürlich anders zu bewerten als eine vielleicht langwierige Verwertung in Eigenregie", hieß es. Der Allianz dürfte ein zügiges Ende des Disputs gelegen kommen, denn damit hätte die Verlust bringende Banktochter ein Problem weniger.

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