Kirch Media soll bis Mitte 2002 an die Börse gebracht werden – Münchner Medienkonzern will von Hollywood einen Preisnachlass
Leo Kirch leidet unter Milliardenschulden

Am Montag lüftete die Kirch-Gruppe ein lange gehütetes Geheimnis: Den Konzern drücken Schulden von fast 4,5 Mrd. DM. Dennoch hält das Unternehmen am Börsengang der Kirch Media bis Mitte 2002 fest. sein.

MÜNCHEN. Leo Kirch bläst der Wind ins Gesicht. Die Marktlage könnte für Medienfirmen derzeit schlechter kaum sein. Der Werbemarkt streckt in einer tiefen Krise, unter der insbesondere die Fernsehsender leiden. Die Kirch-Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 musste mal wieder ihre Ziele deutlich nach unten revidieren. Dazu kommt, dass an der Börse Medientitel derzeit kaum gefragt sind. Anleger flüchten angesichts der gewaltigen Kursverfalls aus vielen Film- und Fernsehfirmen.

Die Kirch-Gruppe hat dazu ein hausgemachtes Problem: Schulden. Wie gestern bekannt wurde, steht Kirch Media mit rund 4,4 Mrd. DM in der Kreide. Noch Ende vergangenen Jahres waren erst 3,1 Mrd. DM Schulden aufgelaufen. Der außergewöhnliche Anstieg wird mit dem milliardenschweren Einstieg in die Formel 1 und dem teuren Experiment beim Home-Shopping-Anbieter Euvia (Neun Live, Reisekanal Sonnenklar) begründet. Angaben zur Verschuldung des gesamten Kirch-Konzerns gab die Konzernspitze wie von Analysten erwartet nicht.

Ungeachtet des gewaltigen Schuldenberges erklärte gestern Dieter Hahn, der starke Mann nach Leo Kirch: "Das Unternehmen ist dabei, einen weiteren großen Schritt in die Zukunft zu machen." Der Vizechef des Medienkonzern bleibt hartnäckig. An den Börsenplänen für die Kirch-Media wird fest gehalten. In dieser Holding sind die Juwelen des Konzerns, also der Sportrechte- und Lizenzhandel sowie die Film- und Fernsehproduktion gebündelt. Durch die Hintertür will Hahn das Börsenengagement ausbauen. Bis Mitte 2002 will er die Kirch Media und mit der Senderfamilie Pro Sieben Sat 1 Media AG verschmelzen und damit an die Börse bringen. Das wäre dann der größte börsennotierte Medienkonzern in Deutschland. Nur noch Bertelsmann könnte mit seinem geplanten Börsengang den Giganten überrunden.

Die Finanzbranche ist für die Kirch-Pläne alles andere als begeisterungsfähig. Der Chef der Kirch-Hausbank Bayern LB, Werner Schmidt, hatte gegenüber dem Handelsblatt bereits das Timing der Kirch-Börsenpläne in Frage gestellt. Analysten verweisen auf die mangelnde Transparenz der Kirch Media. Nicht nur die Chancen, vor allem die Risiken seien nur sehr schwer einzuschätzen. Die Pro-Sieben-Aktie war nach der Bekanntgabe der Fusionspläne vor sechs Wochen ins Bodenlose gefallen, ging gestern aber wieder nach oben.

Hahn verwies auf die gute Geschäftsentwicklung der Kirch Media im ersten Halbjahr. Nach den erstmals vorgestellten Sechs-Monats-Zahlen stieg der Umsatz um 15 % auf 3,3 Mrd. DM. Das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) erhöhte sich sogar um 42 % auf 514,4 Mill. DM. Dabei hat das Unternehmen insbesondere im Handel mit Filmlizenzen wieder zugelegt. Die Margen seien wieder deutlich besser geworden, erklärte der zuständige Kirch-Manager Fred Kogel, früher Chef von Sat 1.

In der Kirch-Gruppe ist die Freude über die Konsolidierung bei den Filmlizenzhändlern groß. In den vergangenen Jahren hatten junge Filmunternehmen insbesondere am Neuen Markt Milliarden eingesammelt und der Kirch-Gruppe das Geschäft verdorben. Inzwischen sind ein Großteil dieser Firmen, etwa Kinowelt, Intertainment oder EM.TV, in schwere Probleme geraten oder stehen kurz vor der Pleite.

Kirch Media versucht die Gunst der Stunde zu nützen und verhandelt mit großen Hollywood-Studios um Preisnachlässe. Mit Universal-Studios geht der Streit am 13. November vor Gericht. Mit Paramount Pictures gebe es einen "tiefen Dissens" über die Qualität der Filme, aber derzeit keinen Rechtsstreit, berichtete Inhalte-Spezialist Kogel.

Auch für den Sportrechtehandel zeigte sich Hahn optimistisch. Zum TV-Geschäft - bei der Kirch Media wird Pro Sieben Sat 1 konsolidiert - sagte Hahn, eine nachhaltige Erholung der Werbemärkte sei erst Ende 2002 zu erwarten. Ab 2003 sei dann erstmals "mehr als ein Lichtstreifen" in Sicht, sagte Kogel.

Geplant sei, den Sportsender Deutsches Sport-Fernsehen (DSF) und den Nachrichtenkanal N 24 zusammen zu führen, um Synergien zu heben. Eine Fusion der beiden Spartensender ist aber nicht vorgesehen.

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