Kirch Media wird liquidiert
ProSiebenSat.1 soll Filmrechte selbst einkaufen

Die Senderfamilie ProSiebenSat.1 soll nach Vorstellungen des KirchMedia-Managements künftig den Einkauf von Filmrechten selbst in die Hand nehmen und nicht mehr auf die Bibliothek der insolventen Muttergesellschaft zurückgreifen.

HB/rtr FRANKFURT. Ohne den Kauf neuer Inhalte würde die Filmbibliothek von KirchMedia damit schnell an Wert verlieren und das Geschäft praktisch abgewickelt. Wie Reuters bereits aus Branchenkreisen erfahren hatte, soll sich dem Plan zufolge die Senderfamilie zudem zu günstigeren Konditionen aus der Filmrechtebibliothek von KirchMedia bedienen können.

Der Neueinkauf von Rechten werde künftig komplett bei der Senderfamilie liegen, zitierte das Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" den KirchMedia-Insolvenzverwalter Michael Jaffe aus einem Gespräch, an dem auch der ProSiebenSat.1-Chef Urs Rohner und Jaffes Berater Hans-Joachim Ziems teilgenommen hätten. Zentraler Bestandteil ihres "Plan B" sei ein umfangreicher neuer Rahmenvertrag, mit dem sich ProSieben in der Kirch-Filmrechtebibliothek künftig zu günstigen Konditionen mit Spielfilmen eindecken könne. "Wir planen eine Vereinbarung mit einer Laufzeit von zehn Jahren und einem Erlösbeteiligungsmodell", sagte Jaffe. Der Gläubigerausschuss der KirchMedia habe dem Vorhaben bereits zugestimmt. Bei KirchMedia werde es zu weiteren Entlassungen kommen, stellte Ziems dem Spiegel-Bericht zufolge in Aussicht.

Bereits am Freitag hatte das Handelsblatt erfahren, dass das die Kirch Media endgültig liquidiert wird. Das hat der Gläubigerausschuss nach Angaben des Kirch-Betriebsrats am Donnerstag beschlossen. In der Kirch Media ist vor allem der Filmrechtehandel gebündelt. "Die Liquidation der Filmbibliothek wird jetzt eingeleitet", sagte Betriebsratsvorsitzender Guido Bucholtz dem Handelsblatt.

Die Banken hatten Milliardenkredite an Kirch Media gegeben. Ein Verkauf der insolventen Kirch Media an den US-Investor Haim Saban war in der vergangenen Woche gescheitert. Der Bestand an Filmrechten solle nun "abverkauft" werden, teilte Bucholtz mit. Mit dem TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 soll dazu ein Rahmenvertrag geschlossen werden. Das Kirch-Filmarchiv gilt als eines der größten in Europa. Der Wert war zuletzt wegen des Preisverfall bei Filmlizenzen stark gefallen. Zudem wird seit der Insolvenz im April 2002 kaum noch Neugeschäft getätigt. Der Betriebsrat und leitende Angestellten wurden bereits informiert. Die gesamte Belegschaft soll am Montag eine Mitteilung erhalten.

Die noch etwa 260 Kirch-Media-Mitarbeiter hatten bis zuletzt auf eine Weiterführung der Kirch Media gehofft. Der Betriebsrat hatte sich in einem offenen Brief an den Gläubigerausschuss noch dafür eingesetzt. Doch dazu wäre eine neue Kapitalspritze der Banken notwendig geworden. Nur mit frischem Kapital hätten dann neue Filmrechte erworben werden und damit das Geschäft der Filmbibliothek weiter geführt werden können. Die vier beteiligten Kreditinstititute - Hypo-Vereinsbank, Bayerische Landesbank, DZ Bank und Commerzbank - seien dazu aber nicht mehr bereit gewesen, so der Betriebsrat. Der Gläubigerausschuss, in dem die Banken sitzen, habe sich mit großer Mehrheit gegen eine Weiterführung ausgesprochen.

Bei der Kirch Media liegt auch die Mehrheitsbeteiligung an Deutschlands größtem TV-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media. Diese soll nun offenbar in eine Zwischenholding überführt werden. An dieser werden sich den Planungen zufolge die vier beteiligten Banken beteiligen und eine Finanzspritze geben. Der hoch verschuldete TV-Konzern braucht frisches Kapital in Höhe von 250 bis 300 Mill. Euro.

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