Kirch-Pleite und ihre Folgen
Kommentar: Notopfer für kickende Millionäre

"Scheiß-Millionaros" - mit diesem Schmähruf machen sich die Fußballfans in den Bundesligastadien Luft, wenn die Großverdiener in kurzen Hosen nicht genug für den Sieg grätschen. Bald müssen sie sich einen anderen Spruch überlegen, denn die goldenen Zeiten für kickende Gastarbeiter aus Afrika, Lateinamerika und Osteuropa gehen zu Ende.

Grund dafür ist der Niedergang der Kirch-Gruppe. Sie wird voraussichtlich die Raten für die Senderechte an die Liga nicht mehr zahlen können - im laufenden Jahr sind das noch hunderte Millionen Euro.

Eine Insolvenz der Kirch-Gruppe brächte damit die Bundesliga-Vereine in Not. Das gilt zwar nicht für Spitzenklubs wie Bayern München, die von Sponsoren mit Geld überhäuft werden und gute Geschäfte mit Fanartikeln machen. Die große Mehrheit der Erst- und Zweitligaklubs jedoch hängt ganz wesentlich von den Einnahmen aus den Senderechten ab und geriete durch deren Ausfall schnell in Existenznot.

Eine Pleitewelle der Fußballklubs wegen Zahlungsunfähigkeit eines Fernsehkonzerns - in England ist das schon Realität. Nun drohen auch in deutschen Stadien die Lichter auszugehen. Solch ein Horror-Szenario mitten im Bundestagswahlkampf? Das will der Kanzler mit Bürgschaften verhindern - obwohl sogar prominente Bundesliga-Manager abwinken.

Dabei waren es doch gerade die Bundesliga-Vereine und ihre üppig dotierten Angestellten, die im Aufschwung gerne das Argument "Der Markt gibt es her" bemühten, um astronomische Gehälter zu rechtfertigen. Sie müssen nun auch die Konsequenzen tragen, wenn der Markt sich dreht. Es darf nicht so laufen, dass der Staat erst das erreichte Niveau mit Bürgschaften absichert und dann womöglich noch die öffentlich-rechtlichen Sender für viel Geld die Bundesligarechte übernehmen und anschließend die Fernsehgebühren erhöhen. Was rufen die Fans, wenn ihre Kicker in der Klemme sind: "Wir woll?n Euch kämpfen sehen!"

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