Kirch-Sender fährt radikalen Sparkurs
DSF baut ein Viertel der Mitarbeiter ab

Das defizitäre Deutsche Sportfernsehen (DSF) zieht die Notbremse. Um eine Insolvenz zu vermeiden, will sich der Münchner Sender von mehr als einem Viertel seiner Belegschaft trennen. Das kündigte Geschäftsführer Stefan Ziffzer am Montag auf einer Betriebsversammlung in Ismaning an.

DÜSSELDORF. Von den rund 400 Arbeitsplätzen würden 112 nicht mehr besetzt oder bestehende Verträge im zweiten Halbjahr gekündigt. Außerdem würde im Produktionsbereich und bei der Studioauslastung Kosten gespart.

Das 1993 gegründete DSF ist eine 100 %ige Tochter der Kirch Media (Sender, Filmproduktion, Rechtehandel), die sich seit Anfang April in einem Insolvenzverfahren befindet. In den letzten Wochen wurde in der Branche über ein Ende des Spartensenders spekuliert. "Wir erwarten für dieses Jahr einen Verlust von 15 Mill. Euro", sagte DSF-Chef Ziffzer dem Handelsblatt. Durch das Kostensenkungsprogramm könne der Sender allerdings 6 bis 7 Mill. Euro weniger Verluste einfahren als ursprünglich geplant. Der 50-Jährige gab sich optimistisch: "Wir können im nächsten Jahr den Break-Even erreichen."

Der Sportkanal mit einer durchschnittlichen Zuschauerquote von 1,9 % im letzten Jahr setzt auf die Erholung des Werbemarktes. Letztes Jahr nahm der Sender aus Werbung 76 Mill. Euro ein. Entlastung erwartet das DSF auch von einer Beruhigung an der Preisfront für Sportrechte. Ziffzer rechnet mit einem Rückgang von 5 bis 10 %. Das DSF gebe im Jahr etwa 25 Mill. Euro für Sportrechte aus. Die Rechte beispielsweise für Fußball erwirbt der Sender traditionell von der Kirch Media.

"Wir wollen das DSF zu einem lohnenden Investitionsprojekt machen", erklärte der Senderchef. "Ich bin hoffnungsvoll, dass wir auch im zweiten Halbjahr nicht zum Insolvenzrichter gehen müssen." Aus Kirch-Kreisen war zu hören, dass es in- und ausländische Interessenten gebe. Zuletzt gab sich auch Wolf-Dieter Ring, Präsident der Bayerischen Landesanstalt für Neue Medien zuversichtlich. An einem Fortbestehen des Sportkanals seien auch Verbände von weniger im Mittelpunkt stehenden Sportarten wie Basketball interessiert.

Auch bei der DSF Plaza Media GmbH, -Tochter Ismaning, ist wirtschaftliche Situation angespannt. Der Sport-TV-Dienstleister Plaza Media sorgt für die technische Übertragung der Fußball-Bundesliga.

Quelle: Handelsblatt

Hans-Peter Siebenhaar ist Handelsblatt-Korrespondent in Wien und ist Autor der Kolumne „Medienkommissar“.
Hans-Peter Siebenhaar
Handelsblatt / Korrespondent für Österreich und Südosteuropa
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