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Kirch sieht keinen Druck bei Anteilsverkauf

Beim geplanten Verkauf der Beteiligung am spanischen Fernsehsender Telecinco will Geschäftsführer Dieter Hahn nach eigenen Angaben nichts überstürzen.

rtr MÜNCHEN. Die Münchener Kirch-Gruppe ist nach den Worten von Geschäftsführer Dieter Hahn bei dem geplanten Verkauf der Beteiligung an dem spanischen TV-Sender Telecinco trotz eines Mitte Januar auslaufenden Kredits nicht unter zeitlichem Druck. "Eine Wertvernichtung durch einen kurzfristigen Verkauf nützt keinem etwas", sagte Hahn heute in einem Interview. Die Kirch-Gruppe sei weiter in Gesprächen mit Kaufinteressenten für den 25-prozentigen Anteil an dem spanischen Fernsehsender. "Telecinco wird verkauft, entweder kurzfristig oder in den nächsten drei Monaten", sagte Hahn.

Die Kirch-Gruppe muss nach Angaben aus Finanzkreisen bis Mitte Januar einen Kredit über 900 Mill. DM an die Dresdner Bank zurückzahlen, der mit dem Telecinco-Anteil besichert ist. Hahn hatte eine Bewertung des 25-prozentigen Pakets an dem rentabelsten Fernsehsender Europas mit knapp einer Milliarde DM als nicht unrealistisch bezeichnet. Die Kirch-Gruppe ist vor allem wegen ihrer hohen Gesamtverschuldung unter Druck, Beteiligungen zu verkaufen, die nicht zum Kerngeschäft gehören. Erstmals nannte Hahn auch eine Summe für die Verschuldung des gesamten Kirch-Konzerns und bezifferte sie mit elf bis zwölf Mrd. DM.

Die finanziell angespannte Lage hat die Kirch-Gruppe vor allem ihrem defizitären PayTV-Sender Premiere World zu verdanken, der allein in diesem Jahr einen Verlust von rund zwei Mrd. DM einfahren dürfte. Dazu kann der britische Bezahlsender BSkyB, der zur News Corp des Unternehmers Rupert Murdoch gehört, seine 22-prozentige Beteiligung an Premiere im Oktober 2002 an Kirch zurückverkaufen. Dafür müsste der Münchener Medienkonzern weitere 3,4 Mrd. DM bezahlen. Daher suche Kirch aktiv nach Alternativen zu seinem Partner BskyB und wolle die Weichen für eine Lösung dieses Problems noch im ersten Quartal 2002 stellen, sagte Hahn. "Eine bevorzugte Lösung wäre eine Fortsetzung der Partnerschaft mit BskyB".

Den US-Kabelnetzbetreiber Liberty Media, der Interesse an einem Premiere-Anteil geäußert hatte, sieht Hahn eher als Kooperationspartner denn als Gesellschafter. "Grundsätzlich sind wir für jeden Partner offen, aber er muss sich auch partnerschaftlich verhalten. Bei Liberty bin ich da skeptisch", sagte der Kirch-Vize.

Für die Entwicklung des deutschen TV-Werbemarktes, der der KirchMedia KGaA in den ersten neun Monaten 2001 beim operativen Ergebnis einen Rückgang von vier Prozent auf 469 Mill. DM bescherte, gab sich Hahn wenig zuversichtlich: "Wir erwarten eher ein flaches nächstes Jahr und einen Aufschwung frühestens im vierten Quartal". Die Entwicklung unterstreiche aber den Vorteil eines integrierten Medienkonzerns, der wie KirchMedia sowohl in Produktion, Rechtehandel und dem werbefinanzierten Fernsehen tätig sei. Die gute Entwicklung des Rechtehandels habe die Schwäche beim werbefinanzierten Fernsehen in den ersten neun Monaten zum Teil wettgemacht. KirchMedia will bis Mitte Juli mit ihrer Tochtergesellschaft, der Senderfamilie ProSiebenSat.1 Media AG, fusionieren und an der Börse notieren.

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