Kirch: Telecinco-Verkauf könnte Medienkonzern Luft verschaffen
Schulden statt Geld

Ohne Geld war der junge Mathematiker Leo Kirch 1956 nach Rom gereist, um Fellinis Spielfilm «La Strada» zu kaufen. Mit 20.000 Mark Kredit und einem Freund als Bürgen legte er damals die Grundlage für ein Unternehmen, das heute zu den größten Medienkonzernen der Welt gehört.

ap MÜNCHEN. In einem Punkt ist sich Kirch aber immer treu geblieben: «Ich habe kein Geld, ich habe Schulden», sagte er in einem Interview zu seinem 75. Geburtstag im vergangenen Oktober.

Derzeit ist die Geldnot offenbar wieder einmal groß. «Man kann sagen, die Lage ist prekär», sagte Oliver Fischer, Medienanalyst der SEB-Bank. «Zeitgewinn wäre für Kirch von großem Vorteil.» Nach eigenen Angaben steht die Münchner Kirch-Gruppe mit knapp sechs Milliarden Euro in der Kreide. Größter Geldgeber soll die Bayerische Landesbank ByLB mit 2,2 Milliarden Euro sein. Die HypoVereinsbank hat ihm nach eigenen Angaben knapp 500 Millionen geliehen, bei der Deutschen Bank sollen es 700 Millionen sein. Einige wollen jetzt Geld sehen - zusammen über eine Milliarde Euro: Ein Kredit der Dresdner Bank über rund 460 Millionen Euro, schon zwei Mal verlängert, läuft im April aus. Und Ende April will der Axel-Springer-Verlag seinen Anteil an Kirchs Senderfamilie ProSiebenSAT.1 AG zurückgeben und dafür 770 Millionen Euro sehen - ein Vielfaches des aktuellen Börsenwerts. Kirch akzeptiert die Forderung Springers allerdings nicht. Jetzt lassen beide ihre Juristen darüber streiten. Sollte Springer klagen, könnte sich das Verfahren hinziehen - ein Vorteil für Kirch.

Der Springer-Verlag rechnet dieses Jahr erstmals mit einem Verlust und «kann Cash gut brauchen», sagte Fischer. Es wird aber auch spekuliert, dass Springer es letztlich auf die 40 Prozent Springer-Aktien abgesehen hat, die Kirch hält: Da böte sich eine Tauschlösung an.

Kirchs größtes Sorgenkind ist der Abo-Sender Premiere World. Er türmte im vergangenen Jahr erneut mehr als eine halbe Milliarde Euro Verlust auf. Mit 2,4 Millionen Abonnenten bleibt er weit hinter den Erwartungen zurück. Wenn bis Oktober nicht noch ein Wunder geschieht, kann der Medientycoon Rupert Murdoch seine Premiere-Beteiligung von 22 Prozent für knapp 1,8 Milliarden Euro zurückgeben - das nächste Loch in Kirchs Kasse. Verluste, Zins und Tilgung konnte Kirch bisher vor allem mit ProSieben und dem Film- und Sportrechtehandel verdienen, die unter dem Dach der KirchMedia zusammengefasst sind. Doch das Ergebnis des vergangenen Jahres «wird bescheiden ausfallen», wie Fischer sagte: Die Werbeeinnahmen brachen ein. Besser als erwartet sei der Lizenzhandel gelaufen, sagte der Analyst. Bei den Vermarktungsrechten für die Fußball-WM etwa habe es einige gute Meldungen gegeben.

Mehr Premiere für Murdoch

Im Juni soll die KirchMedia - nach der Fusion mit der ProSiebenSAT.1 AG - an die Börse gehen. Zweck sei aber keine Geldspitze, sagte Kirch-Sprecher Hartmut Schultz: Ziel seien Synergien und Kosteneinsparungen. Allerdings sei das Unternehmen dann so aufgestellt, dass eine Kapitalerhöhung jederzeit möglich wäre. Das hänge vom wirtschaftlichen Umfeld ab. Bargeld könnte Kirch demnächst aber aus dem Verkauf des spanischen Fernsehsenders Telecinco zufließen. «Die Gespräche laufen», sagte Schultz. In Berichten ist von 500 Millionen Euro die Rede - genug für die Rückzahlung des Kredits an die Dresdner Bank. Springers Forderung zumindest auf Eis, eine Kapitalerhöhung jederzeit als Ausweg - so verzweifelt scheint die Lage für Kirch also doch nicht zu sein. Und mit Murdoch soll in den nächsten Wochen geklärt werden, was mit Premiere wird. Kirchs Stellvertreter Dieter Hahn schloss nicht aus, einen weiteren, noch größeren Anteil an Premiere abzugeben. Murdoch wäre der bevorzugte Partner, erklärte Schultz. Sollte Murdoch sich aber zurückziehen wollen, könnten andere Partner gesucht werden.

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