Kirch-Tochter HBS entzieht sich dem Sog der Insolvenz
Kirch verspricht trotz Pleite reibungslose WM-Übertragung

Von der insolventen Kirch Media haben die meisten Fußball-Fans in aller Welt noch nie etwas gehört. Wenn alles klappt, wird das auch nach der Weltmeisterschaft noch so sein.

MÜNCHEN. Denn die Fernsehzuschauer sollen von den Turbulenzen um den Inhaber der TV-Übertragungsrechte nichts mitbekommen. "Kirch hat immer klar gemacht, dass wir unter der Insolvenz nicht leiden werden", sagte Francis Tellier, Chef von Kirchs WM Host Broadcast Services AG-Produzent (HBS), dem Handelsblatt. Die Kirch-Tochter mit 2 500 Beschäftigten ist exklusiv für die technische Übertragung der WM verantwortlich.

Schwierigkeiten wegen der Kirch-Insolvenz soll es nicht geben. "Wir haben keine Finanzierungsprobleme", sagte Tellier. "Alle Partner sind dabei geblieben, sämtliche Mitarbeiter treten ihre Jobs an. Nur bei kleineren Verträgen, die wir zuletzt abgeschlossen haben, forderten die Partner Vorauszahlung."

Das in der Kirch Media gebündelte Kerngeschäft des Medienunternehmers Leo Kirch musste Anfang April Insolvenz anmelden. Davon betroffen ist auch die Schweizer Tochter Kirch Sport AG. Bei ihr liegen die TV-Rechte an den Fußball-Weltmeisterschaften 2002 und 2006. HBS wiederum ist eine Tochter von Kirch Sport. Die WM-Rechte gehören den Schweizern, um sie vor dem direkten Zugriff deutscher Gläubiger zu schützen und den Weltfußball-Verband zu beruhigen, der um die Übertragung fürchtete.

Kirch hat die TV-Rechte an der diesjährigen WM für rund 1,7 Mrd. sfr (1,17 Mrd. Euro) weltweit 180 Mal verkauft. Der Deal hat sich in jedem Fall gelohnt: Die Fifa hatte die Rechte für 1,3 Mrd. sfr (890 Mill. Euro) abgegeben, hinzu kommen 200 Mill. sfr Produktionskosten von HBS. Weitere Details wollte eine Kirch-Sprecherin nicht nennen.

Zwischen dem Eröffnungsspiel am 31. Mai und dem Finale am 30. Juni muss HBS nun beweisen, dass sie ein Großereignis wie die Fußball-WM reibungslos übertragen kann. Nur dann besteht die Chance, dass HBS trotz der Insolvenz von Kirch Media auch die Partien 2006 wie geplant zeigen darf.

"Alles ist viel schwieriger als in Frankreich vor vier Jahren. Die Voraussetzungen in den zwei Ländern sind zum Teil total unterschiedlich. Das fängt bei Kleinigkeiten wie den Parkregeln an und geht bis zur Telekommunikation", beschreibt Tellier die Schwierigkeiten. Dennoch verspricht er eine Qualität, wie es sie noch nie bei einer WM gegeben hat.

Quelle: Handelsblatt

Joachim Hofer
Joachim Hofer
Handelsblatt / Korrespondent München
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