Kirch verhandelt mit Deutscher Bank über erneuten Aufschub für Aktienplatzierung
Ringier nach WAZ-Ausstieg Favorit für Springer

Im Poker um das Aktienpaket von Leo Kirch am Axel Springer Verlag könnte nun die Schweizer Mediengruppe Ringier zum Zuge kommen. Der Grund: In der Gesellschafterfamilie der Essener Zeitungsgruppe WAZ hat sich die Mehrheit der Eignergruppe Funke gegen einen Einstieg bei dem Berliner Zeitungskonzern ausgesprochen.

lip/pes/rob HAMBURG/DÜSSELDORF. Die Schweizer Mediengruppe Ringier hat ihre Chancen verbessert, sich den 40 %igen Anteil des Münchener Filmhändlers Leo Kirch am Axel Springer Verlag zu sichern. Denn ein Teil der Gesellschafterfamilie der Essener WAZ-Gruppe (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) hat sich überraschend gegen einen Einstieg bei dem Berliner Zeitungsimperium (Bild, Welt, Hörzu) ausgesprochen. So lehnt die Mehrheit der Funke-Gruppe, die 50 % an der WAZ hält, einen Erwerb des Springer-Pakets ab.

Klaus Schubries, nach eigenen Angaben Vertreter seiner Frau Renate Schubries, sagte dem Handelsblatt: "Wir werden einem Einstieg bei Springer nicht zustimmen." Der Erwerb würde aber den einstimmigen Beschluss der WAZ-Gesellschafter erfordern. Renate Schubries ist Eigentümerin von 16,7 % der WAZ-Anteile. Die Schubries-Anteile zählen zum so genannten Funke-Stamm der WAZ-Gesellschafter (siehe Grafik). Der Konservative Jakob Funke hatte 1948 die Hälfte der Anteile an dem Verlag erworben.

Trotz der WAZ-Absage ist aber eine Beteiligung der Mediengruppe Ringier am Springer Verlag noch nicht definitiv sicher. Nach Informationen des Handelsblatts nutzt der Firmenchef Michael Ringier die Situation, um weitere Bedingungen für einen Einstieg bei Springer zu stellen. Er verlangt neben einem Aufsichtsratsposten nun auch einen Platz im Vorstand des Berliner Verlagshauses. Dagegen rührt sich allerdings Widerstand von Springer-Vorstandschef, Mathias Döpfner, der in diesem Fall um seinen Posten bangt.

Ringier gilt bei der Großaktionärin Friede Springer als Wunschpartner für das Aktienpaket von Kirch. Beide verhandeln offenbar bereits seit Monaten über eine strategische Allianz ihrer Printhäuser.

Sollten die Schweizer bei dem Berliner Printhaus tatsächlich zum Zuge kommen, will Ringier zusammen mit in- sowie ausländischen Banken das Kirch-Paket erwerben. Zu einem späteren Zeitpunkt plant der Medienzar dann, sich auf eine Schachtelbeteiligung von rund 25,1 % zurückzuziehen. Sollte dieser Schritt erfolgen, würde er von seinen verbleibenden Anteilen rund 5 % an die Großaktionärin Friede Springer abgeben. Weitere knapp 10 % sollen - möglicherweise in zwei bis drei Jahren - an der Börse platziert werden, wenn sich die wirtschaftliche Situation des Berliner Verlagshauses und die Verfassung an den Aktienmärkten verbessert hat.

Am Wochenende war Ringier für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Auch eine Sprecherin des Axel Springer-Verlags hielt sich bedeckt. "Wir werden zum gegebenen Zeitpunkt erklären, welchen Käufer wir akzeptieren", betonte eine Verlagssprecherin.

Unterdessen will sich der insolvente Medienunternehmer Kirch außergerichtlich darum bemühen, die Frist für einen Verkauf seiner Springer-Anteile bis Ende September zu verlängern. Demnach will sich Kirch noch Anfang dieser Woche mit der Deutschen Bank über einen neuen Zeitpunkt einigen, bis wann er endgültig einen Käufer präsentieren muss, heißt es aus Frankfurter Finanzkreisen. Die Chancen für eine Einigung stünden 50 zu 50.

Kirch hatte sich vor Gericht mit der Deutschen Bank verständigt, bis Dienstag dieser Woche einen Erwerber für seine Springer-Beteiligung zu finden. Ansonsten fällt das Aktienpaket an das Finanzhaus, das damit einen Kredit des Medienunternehmers besichert hat. Am Wochenende ging zudem der Streit zwischen den Springer-Erben und der Verlegerwitwe in eine neue Runde. Nach Presseberichten will der Enkel des Konzerngründers Axel Cäsar Springer, Axel Sven, die Erbenvereinbarung über die Aufteilung der Familienaktien wegen arglistiger Täuschung anfechten. So bezichtigt der Enkel Friede Springer "unrichtiger Aussagen". So weist er eine Darstellung der Verlegerwitwe zurück, der Verlagsgründer habe kurz vor seinem Tode die Absicht erklärt, sein Testament zu Gunsten seiner Frau zu ändern. Sollte Sven Springer mit seinen Vorwürfen vor Gericht durchkommen, halten es seine Anwälte für möglich, die Anteile von Friede Springer deutlich zu verringern - möglicherweise sogar bis hin zum Totalverlust. Damit könnte die Großaktionärin endgültig die Macht in dem Berliner Printimperium verlieren.

Die Verlegerwitwe ist mit 90 % an der Axel Springer Gesellschaft für Publizistik (ASGP) beteiligt. Sven und Ariane Springer halten jeweils 5 %. Die ASGP besitzt rund 50 % plus 10 Aktien am Axel

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