Kirch verschiebt Fusion mit der TV-Tochter – Umwandlung der Vorzugs- in Stammaktien
Pro-Sieben-Aktionäre können aufatmen

Die geplante Fusion der Pro Sieben Sat 1 Media AG und der Kirch Media ist vorläufig abgesagt. Die Börse reagierte am Freitag Abend mit Erleichterung. Die Pro-Sieben-Aktie machte einen Sprung von fast 30 %.

cbu MÜNCHEN. In der Chefetage der Kirch-Gruppe zieht Realismus ein. Am Freitag Abend wurde die äußerst umstrittene Fusion des Fernseh-Konzern Pro Sieben Sat 1 Media AG mit der Kirch Media, in der der Rechtehandel konzentriert ist, auf unbestimmte Zeit verschoben. Über den Schritt war bereits spekuliert worden. Eine Aufsichtsratsitzung bei Pro Sieben Sat 1 brachte jetzt Klarheit.

"Die Kirch-Gruppe führt derzeit eine Reihe von Maßnahmen durch, um die Finanzbasis der Gruppe zu verbessern", hieß es zur Begründung. Diese sollten vor der Fusion zunächst abgeschlossen sein. Der Medienkonzern, der die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 hält, ist seit Wochen wegen seiner Finanzprobleme in den Schlagzeilen. Wie es hieß, werde jetzt zunächst nach eine Lösung für das verlustbringende Bezahl-Fernsehen Premiere gesucht und das 40 %-Paket am Axel-Springer Verlag verkauft. Die Hypo-Vereinsbank hat dazu bereits ein Angebot vorgelegt. Die Verhandlungen um die Veräußerung der 25 %-Beteiligung am spanischen TV-Sender Telecinco sollen "in Kürze" abgeschlossen sein. Auch über das Engagement in der Formel 1 werde noch verhandelt. Die Beteiligung an dem Rennsportzirkus sollte ursprünglich vor dem Börsengang in das neue Unternehmen integriert werden.

Die Pro-Sieben-Aktie, die im M-Dax notiert ist, schoss am Freitag Abend um 28,2 % in die Höhe und schloss bei 8,50 Euro. "Damit bleibt eine profitable Mediengruppe, die nicht von den Kirch-Problemen gedrückt wird", sagte ein Händler. Das Papier hatte seit der Ankündigung der Fusion im vergangenen Herbst über 50 % an Wert verloren. Analysten hatten immer wieder betont, der Pro-Sieben-Kurs leide unter der hohen Unsicherheit vor der Fusion. Unter anderem waren Bewertungsfragen offen. Auch Banken, etwa Bayern-LB-Chef Werner Schmidt, kritisierten öffentlich die Pläne. Zudem belastet derzeit das schlechte Börsenumfeld.

Ursprünglich sollte die Fusion bis Juni 2002 umgesetzt werden. Kirch wollte damit die Kapitalmärkte anzapfen. "Die Unternehmen sind jedoch unverändert davon überzeugt, dass die Fusion für beide die strategisch sinnvollste Lösung ist", hieß es zwar am Freitag. Es gibt aber Zweifel, ob die Fusion jetzt überhaupt noch zu stande kommt. Sollte der Börsengang aber nicht kommen, würden auf Leo Kirch weitere finanziellen Forderungen zukommen. Denn Kirch hatte den übrigen Kirch-Media-Investoren - von Rewe über Berlusconis bis Murdoch - bis 2003 eine Börsennotierung versprochen. Anderenfalls haben sich einige Investoren offenbar eine Ausstiegsoption gesichert. Pro Sieben Sat 1 kündigte auch überraschend an, dass die Vorzugsaktien in Stammaktien umgetauscht werden. Dies würde der Hauptversammlung im Mai zur Entscheidung vorgelegt. Derzeit hält Kirch 88,5 % der Stammaktien, der Rest der Axel Springer Verlag. Auch nach der Umwandlung wird Kirch jedoch die Mehrheit an Pro Sieben Sat 1 kontrollieren. Die freien Aktionäre hielten bisher nur die Mehrheit der stimmrechtslosen Vorzugsaktien, ihr Position wird aber deutlich aufgewertet.

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