Kirch will sich von Anteilentrennen: Springer will WAZ und Murdoch offenbar nicht

Kirch will sich von Anteilentrennen
Springer will WAZ und Murdoch offenbar nicht

Die am Springer-Anteil der finanziell angeschlagenen Kirch-Gruppe interessierte Verlagsgruppe "Westdeutsche Allgemeine Zeitung" (WAZ) hat nach Angaben aus Branchenkreisen keine Chance, die zu einer Übernahme notwendige Zustimmung von Springer zu bekommen.

Reuters HAMBURG. Auch der Medienzar Rupert Murdoch mit seinem Konzern News Corp, die Bertelsmann AG und der Münchner Burda-Verlag seien keine Wunschpartner für Springer, erfuhr Reuters am Montag aus Branchenkreisen in Hamburg. Der Springer-Verlag lehnte einen Kommentar ab.

Die Springer-Anteile sind so genannte vinkulierte Namensaktien, so dass die Gesellschaft einem Eigentümerwechsel zustimmen muss. Die Witwe des Verlagsgründers Axel Springer, Friede Springer, will ihren Mehrheitsanteil an dem Verlag in jedem Fall behalten.

Die WAZ-Gruppe hatte Interesse an Springer-Anteilen signalisiert. Sollten im Zusammenhang mit den finanziellen Schwierigkeiten des Münchner Medienkonzerns Anteile am Springer-Verlag zum Verkauf stehen, "werden wir den Finger heben", hatte der Geschäftsführer der WAZ-Grupe, Lutz Glandt, in einem Zeitungsinterview gesagt. Murdoch und Bertelsmann waren in Medienberichten wiederholt als Interessenten für Teile des Kirch-Konzerns genannt worden, sollte es zu einer Aufspaltung kommen. Für den Springer-Anteil seien auch der Burda-Verlag und die Verlagsgruppe Holtzbrinck im Gespräch, hieß es.

Kirch zur Trennung von Springer-Anteilen bereit

In der "Financial Times Deutschland" hieß es am Montag, Kirch sei mittlerweile dazu bereit, sich von seinem rund 40-prozentigen Anteil am Springer-Verlag zu trennen. Verhandlungen mit einer Finanzgruppe seien im "fortgeschrittenen Stadium", berichtete die Zeitung unter Berufung auf Verhandlungsbeteiligte. In der Londoner "Financial Times" hieß es, der Verkauf des Springer-Anteils sei zentral für eine größere Lösung, mit der Kirch eine weitere Finanzierung anstrebe. Die Kirch-Gruppe ist mit rund sechs Mrd. Euro verschuldet.

Springer könne mit verschiedenen Szenarien leben, hieß es in den Kreisen am Montag weiter. Allerdings bleibe es dabei, dass Friede Springer langfristig an ihrer Mehrheit festhalte. Sie kontrolliert 50 % plus elf Aktien des "Bild"-Herausgebers, an dem Kirch 40,3 % hält. Eine Einflussnahme anderer Gesellschafter bei Springer sei deshalb nicht möglich, da Friede Springer als Mehrheitsaktionärin auch über die Erteilung von Mitbestimmungsrechten und Aufsichtsratsposten entscheiden könne, hieß es in den Kreisen.

Die Axel Springer Verlag AG hatte kürzlich eine Verkaufsoption für ihren 11,5-prozentigen Anteil an der Kirch-Sendergruppe ProSiebenSat.1 Media ausgeübt und verlangt von Kirch die Zahlung von rund 760 Mill. Euro. Kirch zweifelt allerdings die rechtliche Wirksamkeit der Option an und hat eine Feststellungsklage angekündigt. Ein direkter Tausch der ProSieben-Beteiligung gegen den 40-prozentigen Kirch-Anteil an Springer würde Branchenkreisen zufolge aus rechtlichen Gründen Schwierigkeiten bereiten, da die Gesellschaft nur zehn Prozent eigene Aktien halten darf.

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