Kirche will Hinweisen im Einzelfall nachgehen
"Monitor": Auch katholische Kirche beschäftigte NS-Zwangsarbeiter

Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, schloss nicht aus, dass Zwangsarbeiter beschäftigt worden seien. Es gebe einzelne Hinweise dafür.

AFP Köln - Die katholische Kirche hat nach Informationen des ARD-Magazins "Monitor" in zahlreichen Klöstern und kirchlichen Einrichtungen NS-Zwangsarbeiter beschäftigt. Sie seien vor allem in der Haus- und Landwirtschaft eingesetzt worden, berichtete das Magazin am Mittwoch vorab. Die vor allem aus der Ukraine und Polen stammenden Zwangsarbeiter hätten mehr als 13 Stunden am Tag arbeiten müssen und dafür keinen oder sehr geringen Lohn erhalten. Unter ihnen seien auch Kinder gewesen. Der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Rudolf Hammerschmidt, schloss nicht aus, dass Zwangsarbeiter beschäftigt worden seien. Es gebe einzelne Hinweise dafür. Er kündigte an, dass sich die Bischöfe Ende August erneut mit der Frage beschäftigen wollen, ob sich die katholische Kirche doch noch an der Zwangsarbeiter-Entschädigung beteiligt.

Nach Angaben von "Monitor" wurden unter anderem in der Benediktinerabtei Kloster Ettal und im Paderborner Leonkonvikt, einer katholischen Ausbildungsstätte für Priester, Zwangsarbeiter eingesetzt. Hammerschmidt sagte, in Paderborn würden derzeit entsprechende Hinweise überprüft. Eine zentrale Untersuchung über die Beschäftigung von Zwangsarbeitern in kirchlichen Einrichtungn lehne die katholische Kirche aber ab. Die einzelnen Diözesen oder Klöster sollten jeweils in ihrem Bereich nachforschen, sagte Hammerschmidt. Zudem gäben die katholischen Archive nicht sehr viel her.

Ohne konkrete Belege will die katholische Kirche bislang nicht in den Entschädigungsfonds einzahlen. Für die Kirche sei die Situation anders als für die Firmen, sagte Hammerschmidt vor dem Hintergrund, dass sich an dem Entschädigungsfonds auch nach dem Krieg gegründete Unternehmen beteiligen. Für den Entschädigungsfonds wollen Bundesregierung und Wirtschaft jeweils fünf Milliarden Mark bereitstellen. Der Wirtschaft fehlen von dem zugesagten Betrag aber noch knapp zwei Milliarden Mark.

Im Gegensatz zur katholischen Kirche will sich die evangelische Kirche an der Entschädigung beteiligen. Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) und ihre Diakonie hatten in der vergangenen Woche angekündigt, zehn Millionen Mark zu dem Entschädigungsfonds von Bundesrgierung und Wirtschaft beizutragen. Der EKD-Vorsitzende Manfred Kock begründete die Entscheidung damit, dass auch die evangelische Kirche und ihre Diakonie während des Zweiten Weltkrieges Zwangsarbeiter beschäftigt hatten.

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