Kirchen und Unternehmen finanzieren immer häufiger Kino- und TV-Produktionen
„Luther“ spaltet die Filmbranche

Martin Luther entzweite einst die Kirche. Nun sorgt der Film über den Reformator für einen Glaubensstreit in der Filmbranche. Heute läuft die 30 Mill. $ teure Produktion "Luther" in den deutschen Kinos an. An sich nichts Besonderes, hätte nicht die evangelische Kirche bei der Finanzierung des Spektakels tief in die Tasche gegriffen.

DÜSSELDORF. Das Historienstück wurde von der Versicherungsgesellschaft der amerikanischen Lutheraner (Thrivent Financial for Lutherans) und der Evangelischen Kirche Deutschland (EKD) mitfinanziert. " 50 % der Investitionssumme kommen von Thrivent. Die andere Hälfte kommt aus Deutschland. Die EKD ist aber daran nur mit 2 % über ihre Filmgesellschaft Eikon beteiligt", berichtet der EKD-Rundfunkbeauftragte Bernd Merz. Während bei der EKD mit einem Investment von rund 300 000 $ die publizistische Wirkung im Vordergrund steht, setzt die lutherische Versicherung auf eine ordentliche Rendite. "Im Film ist immer viel Geld, verstecktes und offenes, von dem man nicht weiß, woher es kommt. Meist will das Geld nur eins, eine ordentliche Rendite", weiß Michael Schmid- Ospach, Chef der Filmstiftung NRW.

Den kommerziellen Erfolg ist "Luther", der bereits Ende September in fast 400 Kinos in den USA anlief, bisher noch schuldig geblieben. Der Film, von der Berliner Produktionsgesellschaft NFP teleart koproduziert, spielte laut EKD gerade mal 4,5 Mill. $ ein. Die Branche bewertet ein solches Einspielergebnis als Flop. "Ich würde abwarten, bevor man von einem Flop spricht", warnt EKD-Fernsehmann Merz.

In der Film- und TV-Branche wird über Geldgeber wie Kirchen oder Unternehmen zwiespältig diskutiert. "Ich halte eine solche Kofinanzierung für schwierig. Denn dann gibt es eine Einflussnahme bei der Umsetzung des Themas", fürchtet Filmproduzent Jan Mojto. Der frühere Kirch-Vize und heutige geschäftsführende Gesellschafter der Münchner Filmproduktion EOS hat beim Papst-Fernsehepos "Johannes XXIII." daher auf eine Kofinanzierung durch den Vatikan oder andere kirchliche Institutionen verzichtet. Selbst bei der rund 100 Mill. Euro teuren Verfilmung der Bibel in 21 Folgen unter Leo Kirch habe es keine kirchliche Investoren gegeben.

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