Kirchenführer beendet Polen-Reise
Papst weist Rücktrittsgerüchte zurück

Papst Johannes Paul II. hat am Montagabend den dreitägigen Besuch in seiner polnischen Heimat beendet. "Polen, mein liebes Vaterland!" begann der 82-jährige Kirchenführer auf dem Krakauer Flughafen vor der Heimkehr nach Rom seine Abschiedsrede. Spekulationen über einen Rücktritt erteilte er eine klare Absage.

dpa KRAKAU. Papst Johannes Paul II. hat am Montagabend den dreitägigen Besuch in seiner polnischen Heimat beendet. "Polen, mein liebes Vaterland!" begann der 82-jährige Kirchenführer auf dem Krakauer Flughafen vor der Heimkehr nach Rom seine Abschiedsrede. Kurz ging er auf den für 2004 geplanten Beitritt Polens zur EU ein: "Ich hoffe, dass die polnische Nation, die seit Jahrhunderten zu Europa gehört, ihren Platz in den Strukturen der Europäischen Union findet und nicht nur ihre eigene Identität bewahrt, sondern auch diesen Kontinent und die ganze Welt mit ihrer Tradition bereichert." Er wirkte erschöpft, betrat sein Flugzeug aber ohne Hilfe einer Hebebühne.

Zuvor wies der Papst beim Besuch des Klosters Kalwaria Zebrzydowska alle Spekulationen über einen Rücktritt zurück. In einem Gebet bat er "um die körperliche und geistige Kraft, meine von Gott anvertraute Mission bis zum Ende zu bringen". Es waren die bisher klarsten Worte des 82-Jährigen zu den seit Monaten anhaltenden Gerüchten über einen möglichen Amtsverzicht aus Gesundheitsgründen.

Vor der Heimkehr nach Rom überflog Johannes Paul an Bord eines Hubschraubers die Berge der Hohen Tatra und seinen Geburtsort Wadowice. Die Einwohner der Kleinstadt im Vorland der Tatra hatten sich auf dem nach dem Papst benannten Marktplatz versammelt. Sie winkten und jubelten "ihrem" Papst zu, als sein Hubschrauber über ihnen kreiste. Die Goralen, die Bergbauern in der Tatra, entzündeten Lagerfeuer in den Bergen, um den Papst vom Boden aus zu grüßen.

Am Krakauer Flughafen hatten sich etwa 10 000 Menschen versammelt, um den Papst mit Goralenlieder und Sprechchören zu verabschieden. "Wir danken Dir" skandierten sie, und "Bleib bei uns." Wie bereits in den vergangenen Tagen seiner neunten Pilgerreise in sein Heimatland wandte sich Johannes Paul an die Verlierer des wirtschaftlichen Wandels und rief zum "Geist der Gnade und brüderlicher Solidarität" mit den Notleidenden und Schwächsten der Gesellschaft auf.

Staatspräsident Aleksander Kwasniewski versicherte, die Polen hätten dem Papst aufmerksam zugehört. "Wir sollten alles tun, um die Sache des Menschen zur obersten Priorität jeder öffentlichen Aktivität zu machen", sagte er. "In diesen Tagen haben wir oft ein Lächeln und wirkliche Rührung auf Ihrem Gesicht gesehen ... Obwohl wir Sie ermüdeten, haben wir unserem Papst auch Freude bereitet. Wir haben ihm Kraft und Energie für die Zukunft gegeben."

Der dreitägige Papstbesuch war von Begeisterung und Wehmut der Gläubigen gekennzeichnet: Viele fürchten, dass diese neunte Polenreise die letzte des greisen Papstes sein könnte. Beim Abschied auf dem Krakauer Flughafen schloss dieser aber eine Rückkehr nicht ganz aus: "Vielleicht beim nächsten Mal..."

Der 82-Jährige kann wegen seiner Parkinson-Erkrankung zeitweise nur sehr undeutlich sprechen, er kann kaum noch gehen und ermüdet sehr schnell. Starke Medikamente schränken seine Arbeitsfähigkeit ein. Auch mehrere Kardinäle hatten in den vergangenen Monaten einen Rücktritt nicht mehr ausgeschlossen, auch der deutsche Kurienkardinal und Papstvertraute Joseph Ratzinger hatte sich in diesem Sinne geäußert.

Päpste halten in aller Regel in ihrem Amt bis zum Tod aus. Nur ein einziger Papst hatte in der 2000-jährigen Geschichte der Kirche sein Amt aus freien Stücken zur Verfügung gestellt. Allerdings sieht das Kirchenrecht die Möglichkeit eines freiwilligen Rücktritts ausdrücklich vor. Der Papst müsste dazu nicht einmal Gründe angeben.

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