Kirchs PayTV
Premiere kämpft weiter ums Überleben

Der angeschlagene Kirch-PayTV-Sender Premiere verhandelt nach Angaben aus Finanzkreisen mit seinen Gläubigerbanken und Gesellschaftern über eine kurzfristige Finanzspritze, um wenigstens die zweite Säule der Kirch-Gruppe vor der Insolvenz zu retten.

Reuters MÜNCHEN. Dabei ginge es um eine Brückenfinanzierung in der Größenordnung von 150 bis 200 Millionen Euro, um dem Sender ein paar Monate Zeit zur Restrukturierung zu verschaffen, erfuhr Reuters am Donnerstag aus den Kreisen.

Die Beteiligten würden es dem Premiere-Chef Georg Kofler generell zutrauen, die Wende für den Sender zu schaffen. "Ein paar Tage hat man noch Spielraum, eine Insolvenz abzuwenden", hieß es. Auch am Freitag werde es aber wohl keinen Insolvenzantrag der Premiere-Betreibergesellschaft KirchPayTV geben.

Das Szenario erinnert an den Verhandlungspoker von Banken und Gesellschaftern der Kirch-Kerngesellschaft KirchMedia, die nach dem Scheitern der Gespräche Anfang der Woche beim Amtsgericht Insolvenz anmelden musste und damit den Zerfall des über fünf Jahrzehnte gewachsenen Medienkonzerns des 75-jährigen Firmengründers Leo Kirch einleitete. Zum Teil säßen bei den Gesprächen in München sogar die gleichen Personen am Tisch, auch wenn der Teilnehmerkreis sich etwas verkleinert habe, hieß es in den Kreisen.

Hatten bei KirchMedia noch Commerzbank und DZ Bank auf Seiten der Gläubiger mit verhandelt, sind die HypoVereinsbank und die Bayerische Landesbank bei Premiere alleine am Zug. Auch der Medienunternehmer Rupert Murdoch ist bei den Gesprächen über die Zukunft des deutschen Bezahlfernsehens vertreten, der italienische Konzern Mediaset dagegen nicht mehr.

Premiere ist mit rund einer Milliarde Euro verschuldet und verbucht nach Expertenschätzungen täglich Verluste von zwei Millionen Euro. Der seit Februar für Premiere verantwortliche Kofler hatte angekündigt, den Sender mit einem rigorosen Sparkurs bis 2004 in die schwarzen Zahlen bringen zu wollen. "Wenn er ein paar Monate Zeit bekommt, kann das was werden. Kofler kämpft den Kampf seines Lebens, um Premiere vor der Insolvenz zu retten", sagte ein mit den Verhandlungen Vertrauter.

Nach der am Montag erklärten Zahlungsunfähigkeit der Kirch-Kerngesellschaft KirchMedia war eigentlich unmittelbar danach ein Insolvenzantrag von KirchPayTV erwartet worden. In letzter Minute habe Murdoch, der über den britischen PayTV-Sender BSkyB mit 22 Prozent an Premiere beteiligt ist, aber auf neue Gespräche gedrängt, hieß es in Kirch-Kreisen.

Murdoch will Insolvenz von KirchPayTV offenbar verhindern

Die Banken wären sogar bereit, den Großteil der Brückenfinanzierung zu übernehmen, wenn sich die Gesellschafter verpflichten würden, Eigenkapital bereitzustellen, hieß es in Bankenkreisen. Es werde auch diskutiert, ob die Banken einen Teil ihrer Kredite in Eigenkapital umwandeln könnten. In Medienberichten war eine Summe von 600 Millionen Euro genannt worden, die die Investoren mitbringen sollen.

Ein Sprecher der News Corp wies jedoch kategorisch zurück, dass News Corp alleine so viel Geld in die Hand nehmen könnte. Einen weiteren Kommentar lehnte er ab. Neben Murdoch sind noch die Finanzinvestoren Lehman Brothers, Capital Research und Kingdom Holding Gesellschafter bei KirchPayTV. Murdoch wird seit langem ein Interesse an der Kontrolle des deutschen PayTV-Senders Premiere nachgesagt, auch wenn BSkyB ein Interesse an einer Übernahme immer dementiert hatte.

Daher wird vermutet, dass Murdoch über die Dachgesellschaft seines weltweiten Medienimperiums, News Corp, bei Premiere einsteigen könnte. Murdoch wolle bei Premiere offenbar eine Situation wie bei KirchMedia verhindern, hieß es in Bankenkreisen. Denn seine Beteiligung an der Filmproduktions- und Rechtehandelsgesellschaft war nach der Insolvenz wertlos geworden. "Bei Premiere sitzt er noch am Hebel. Bei einer Insolvenz wäre der Fuß, den er in der deutschen Medienlandschaft hat, ebenfalls raus", hieß es in Bankenkreisen. Von News Corp war zunächst keine Stellungnahme zu erhalten.

US-Studios sind wichtige Teilnehmer im Verhandlungspoker

Wichtige Spieler in dem Verhandlungspoker sind aber auch die Hollywood-Studios, allen voran Paramount und Columbia . Denn als Voraussetzung für eine Sanierung Premieres gelten Preisnachlässe in den Filmlizenz-Verträgen der Kirch-Gruppe mit den Produzenten in den USA. Kirch hatte die Rechte überteuert eingekauft und sich langfristig zur Abnahme von Filmen verpflichtet. Die US-Studios seien durchaus interessiert, ihre Forderungen gegenüber der Kirch-Gruppe in Anteile an KirchPayTV umzuwandeln, hieß es in Studio-Kreisen.

Verhindern wollten sie vor allem, dass Murdoch die uneingeschränkte Kontrolle bei KirchPayTV erhalte, um dann womöglich sein konzerneigenes Studio Fox zu bevorzugen. Derzeit sei Premiere jedenfalls noch zahlungsfähig, hieß es bei dem Sender. "Der ein oder andere Lieferant wird überrascht sein, wenn seine Rechnung bezahlt wird."

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