Kirchs Sportkanal erwartet Lösung der Existenzkrise bis Mitte August
DSF schmückt sich für neue Investoren

Das Deutsche Sportfernsehen (DSF) macht sich hübsch für Investoren. Der defizitäre Spartensender - eine 100 %ige Tochter der insolventen Kirch Media - kämpft derzeit ums Überleben. Mit einem harten Sparprogramm sollen die Verluste bis 2003 der Vergangenheit angehören.

MÜNCHEN. "Nächstes Jahr kommen wir nahe an die Gewinnschwelle heran", sagte DSF-Geschäftsführer Stefan Ziffzer dem Handelsblatt. "Voraussetzung ist, dass das Werbevolumen über dem von 2002 liegt."

In den ersten vier Monaten 2002 seien die Verluste im Vergleich zum Vorjahr halbiert worden, betonte der 50-jährige frühere Finanzchef von Leo Kirch. Der 1993 gegründete Sender hat Anfang Mai bereits angekündigt, dass ein Viertel seiner 400 Mitarbeiter gehen müssen.

Erste Sondierungsgespräche gab es bereits zwischen Eurosport, einer Tochter des Pariser Medienkonzerns TF 1, und DSF, bestätigten die Franzosen. Außerdem gehören laut Branchenkreisen der amerikanische Sportkanal ESPN (Walt Disney Co.) sowie zwei weitere Investoren zu den Interessenten. Verhandlungen mit dem Medienunternehmer Herbert Kloiber verliefen ergebnislos.

"Die Zukunft ist schwierig, aber nicht chancenlos. Denn wir sind überschaubar und haben keine Leichen im Keller", sagte Ziffzer in Anspielung auf die unübersichtliche Struktur der Kirch-Gruppe. Er erwartet, dass bis Mitte August klar ist, wer neuer Besitzer des Sportkanals wird. DSF hat eine durchschnittliche Zuschauerquote von 1,8 %.

Dreh- und Angelpunkt der Gespräche ist die Frage, ob das DSF weiterhin die Drittverwertungsrechte für Erste und Zweite Fußball-Bundesliga bekommt. Ziffzer sagte gestern: "Für unser weiteres Schicksal sind die Bundesligarechte von großer Bedeutung." Sollte DSF-Eigentümer Kirch Media die Rechte behalten und an das DSF weiterreichen können, wird der Sender nach derzeitigen Planungen in der Kirch-Gruppe bleiben. Ist das nicht der Fall, soll DSF verkauft werden.

Kirch Media möchte die Bundesliga gerne behalten, kann die ursprünglich ausgehandelte Summe aber nicht zahlen. Das Unternehmen liegt in einem Bieterwettbewerb mit Kloibers Tele-München-Gruppe und der Telekom. Wer das Rennen macht, entscheidet sich in den nächsten Tagen.

Unterdessen arbeitet das DSF daran, die Redaktionskosten weiter zu kürzen. Bei einem Budget von 100 bis 120 Mill. Euro sollen in diesem Jahr zehn bis 15 % gespart werden. "Wir hatten nie Designermöbel. Selbst das Gehaltsniveau unsere Mitarbeiter ist im Branchenvergleich bescheiden", sagte Ziffzer. Beim DSF wird davon ausgegangen, dass weitere Einsparungen bei Sportrechten kaum möglich sind. "Wir geben weniger Geld für Sportrechte aus, als viele annehmen." In diesem Jahr schlagen die Rechte mit 25 Mill. Euro zu Buche. Ziffzer hofft, verstärkt kostenloses Bildmaterial von weniger publikumsträchtigen Sportarten zu bekommen.

Die Stimmung ist angesichts der unsicheren Aussichten mies. "Wir haben noch immer einen Liquiditätsengpass", bekennt Ziffzer. "Aber wir haben im Juni die Gehälter inklusive Urlaubsgeld bezahlt".

Seine TV-Übertragungstochter Plaza Media will der Manager behalten. Kirchs Sportchef Alexander Liegl hatte im Handelsblatt-Interview gesagt, dass er Plaza Media gerne in die neue Sportsparte von Kirch eingliedern würde.

Quelle: Handelsblatt

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