Klänge aus dem CD-Player regulieren die Atmung
Musik hören gegen zu hohen Blutdruck

Weil Musik den Atmungsrhythmus positiv beeinflussen kann, empfehlen amerikanische Ärzte sie neuerdings als Ergänzung zu den herkömmlichen Medikamenten gegen hohen Blutdruck.

hn TEL AVIV. Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat ein neues Gerät zugelassen, welches mit Hilfe von Klängen den Blutdruck reduzieren soll.

Das Gerät mit dem Namen Resperate sieht wie ein tragbarer CD-Player aus und besteht aus zwei Teilen: Ein Prozessor analysiert das Atmungsmuster des Patienten. Mit dem Ziel, das Atmen zu verlangsamen, komponiert ein Synthesizer eine individuell zugeschnittene Musik, die zu einer Optimierung der Atmung führen soll.

Entwickelt hat das Gerät der israelische Arzt und Tanzlehrer Benjamin Gavisch. "Das Atmen passt sich der Musik an", sagt er. Acht klinische Tests in Italien, in den USA und in Israel haben mit einer Erfolgsquote von 70 % abgeschnitten. Bereits nach einer Versuchsphase von acht Wochen habe sich der Blutdruck signifikant reduziert. "Die Leute hören der Musik nicht wirklich zu", sagt Gavisch, "das Atmen hört vielmehr der Musik zu und passt sich an." Es folge dem extern vorgegebenen Rhythmus und Muster.

Der Zeitaufwand für den interaktiven Musikgenuss ist bescheiden: Eine Viertelstunde pro Tag genügt. Deshalb bestünden auch gute Chancen, dass der Patient regelmäßig die "Medizin" konsumiert, sagt Gavisch.

Gavisch ist nicht der erste, der entdeckt, dass die richtige Atmung gesundheitsfördernd sein kann. In asiatischen Ländern wird ihr eine besonders hohe Bedeutung zugemessen. Doch auch im Westen ist die Wirkung nicht unbekannt: Bereits zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts hat der in München lehrende Arzt Lothar Gottlieb Tirala die heilende Wirkung von Atemübungen beschrieben. "Leider wurde seine Arbeit vergessen", kritisiert Gavisch. Auf das Buch des deutschen Kollegen stieß der israelische Arzt erst, nachdem er seine Methode bereits entwickelt hatte.

Bis vor wenigen Jahren sah man in Atemübungen lediglich eine entspannenden Wirkung. "Dabei wurden nur die psychologischen, nicht aber die physiologischen Wirkungen beachtet", sagt Gavisch.

Da 20 % der Erwachsenen und 50 % der Senioren unter zu hohem Blutdruck leiden, verspricht sich Gavisch eine starke Nachfrage nach seinem Resperate. Allein in den USA leiden über 50 Millionen Menschen an zu hohem Bluthochdruck, der lebensgefährlich sein kann. Die Pharma-Industrie setzt mit Präparaten gegen die arterielle Hypertonie 26 Mrd. $ pro Jahr um.

Die Firma Intercure, die den medizinischen CD-Player vertreibt, will bis ins Jahr 2004 rund 40 000 Geräte verkaufen, was einem Umsatz von rund 10 Mill. $ entsprechen würde. Mittelfristig rechnet man bei Intercure mit einem Verkaufsvolumen von jährlich 100 Mill. $. Erez Gavisch, der Sohn von Benjamin, leitet in den USA die Marketingkampagne. Er ist von der Wirkung von Resperate überzeugt: "Wenn es bei einem Patienten nicht wirkt, erstatten wir ihm das Geld zurück." In den USA wird das Gerät für 299 $ verkauft.

Quelle: Handelsblatt

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